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Weihnachtsgedichte klassischer Autoren

Klassische Gedichte zur Advents- und Weihnachtszeit

Weihnachtsengel mit Schlitten
Bild: Bild: annca / pixabay.com

Nach Hause kommen, das ist es,
was das Kind von Bethlehem
allen schenken will, die weinen,
wachen und wandern auf dieser Erde.

Friedrich v. Bodelschwingh (1831-1910), ev. Pastor und Theologe


Weihnachtsgedichte klassischer Autoren von A - Z

Advent
Rainer Maria Rilke

Advent
Theodor Fontane

Am heiligen Abend
Moritz Gottlieb Saphir

Christbaum
Ada Christen

Christbaum
Peter Cornelius

Christkind im Walde
Ernst von Wildenbruch

Christkinds getreuer Knecht
Emil Weber 

Christnacht
Ferdinand von Saar

Das Weihnachtsbäumlein
Christian Morgenstern

Der Stern
Wilhelm Busch

Der Weihnachtsbaum
Heinrich Seidel

Der Weihnachtsstern
Franz von Pocci

Die weiße Weihnachtsrose
Hermann von Lingg

Es gibt so wunderweiße Nächte
Rainer Maria Rilke

Es ist Advent
Friedrich Wilhelm Kritzinger

Groß-Stadt-Weihnachten
Kurt Tucholsky

Heiligabend
Adolf Holst

Heilige Nacht
Leon Vandersee

Lied im Advent
Matthias Claudius

Nun leuchten wieder Weihnachtskerzen
Gustav Falke

O heiliger Abend
Karl Friedrich von Gerok

Raureif vor Weihnachten
Anna Ritter

Stern von Bethlehem
Franziska Stoecklin

Verse zum Advent
Theodor Fontane

Vom Christkind
Anna Ritter

Vom Honigkuchenmann
Hoffmann von Fallersleben

Weihnacht
Hans Brüggemann

Weihnacht
Elisabeth Dauthendey

Weihnachtsabend
Theodor Storm

Weihnachtsgedicht
Hermann von Lingg

Weihnachtsglocken
Karl Stieler

Weihnachtslied
Theodor Storm

Weihnachtslied
Helene Branco

Weihnachtslied
Marx Möller

Weihnachtslied
Johannes Trojan

Weihnachtsschnee
Paula Dehmel

Weihnachtszeit
Friedrich Stolze

 

 


Gustav Falke (1853 - 1916)
Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen

Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen
und wecken Freude in allen Herzen.
Ihr lieben Eltern, in diesen Tagen,
was sollen wir singen, was sollen wir sagen?
Wir wollen euch wünschen zum heiligen Feste
vom Schönen das Schönste, vom Guten das Beste!
Wir wollen euch danken für alle Gaben
und wollen euch immer noch lieber haben.

Franz von Pocci (1807 - 1876)
Der Weihnachtsstern

Von Osten strahlt ein Stern herein
mit wunderbarem hellem Schein,
es naht, es naht ein himmlisches Licht,
das sich in tausend Strahlen bricht!

Ihr Sternlein auf dem dunklen Blau,
die all ihr schmückt des Himmels Bau
zieht euch zurück vor diesem Schein.
Ihr werdet alle winzig klein!

Verbergt euch, Sonnenlicht und Mond,
die ihr so stolz am Himmel thront!
Er naht, er naht sich von fern –
von Osten her – der Weihnachtsstern.


Theodor Fontane (1819-1898)
Verse zum Advent

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.

Quelle: http://www.textquellen.de

Hermann von Lingg (1820-1905)
Die weiße Weihnachtsrose

Wenn über Wege tief beschneit,
Der Schlitten lustig rennt,
Im Spätjahr in der Dämmerzeit
Die Wochen im Advent,
Wenn aus dem Schnee das junge Reh
Sich Kräuter sucht und Moose:
Blüht unverdorrt im Frost noch fort
Die weiße Weihnachtsrose.

Kein Blümchen sonst auf weiter Flur;
In ihrem Dornenkleid
Nur sie, die niedre Distel nur
Trotzt allem Winterleid;
Das macht, sie will erwarten still,
Bis sich die Sonne wendet,
Damit sie weiß, daß Schnee und Eis
Auch diesmal wieder endet.

Doch ist’s geschehn, nimmt fühlbar kaum
Der Nächte Dunkel ab,
Dann sinkt mit einem Hoffnungstraum
Auch sie zurück in‘s Grab.
Nun schläft sie gern; sie hat von fern
Des Frühlings Gruß vernommen,
Und o wie bald wird glanzumwallt
Er sie zu wecken kommen!


Francisca Stoecklin (1894-1931)
Stern von Bethlehem

Unendlich Blau.
Geweihte Nacht.
Und immer fällt der Schnee
In zarten Sternen.
Deckt die weite Erde sacht.
Heilige Nacht ...
Durchglüht vom Leidensblut
Des lieben Herrn.

Wir pilgern noch im Dunkel.
Doch wir sehen seinen Stern.

Quelle: http://www.wortblume.de/dichterinnen/

Matthias Claudius (1740-1815)
Lied im Advent

Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
dass er leuchte uns so sehr
durch die dunklen Stunden.
Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.
Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen!


Weihnachtsdeko mit Wichteln und Kerze
Bild: Oldiefan / pixabay.com

Theodor Storm (1817-1888)
Weihnachtsabend

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war’s, durch alle Gassen scholl
der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fort gespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
"Kauft, lieber Herr!" Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
wes Alters und Geschlecht es mochte sein,
erkannt’ ich im Vorübertreiben nicht.

Nur vor dem Treppenstein, darauf es saß,
noch immer hört’ ich, mühsam, wie es schien:
"Kauft, lieber Herr!" den Ruf ohn’ Unterlass;
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? War’s Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh’ meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfasste mich die Angst im Herzen so,
als säß’ mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

*Quelle: weihnachtsgedichte.de

Theodor Storm (1817-1888)
Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
Und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht. 

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstiller Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muß ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.


Elisabeth Dauthendey (1854-1943)
Weihnacht

Ein Augenblick im Meer der Zeiten,
In dem die stillen Stimmen tönen,
Die sonst der Tag verdeckt mit seinem lauten schrei'n
Der Augenblick, indem die Kerzen brennen,
Die heiligen Kerzen, die der Liebe leuchten,
Da jedes Herz es ahnt was Friede sei. -

In dieser Stille zwischen heut und morgen,
In dieser Handvoll weniger Minuten,
Besinnt der Mensch sich auf sein tiefstes Glück
Lauscht auf die leise Melodie der Liebe -
Und geht dann neu zu seinem Tag zurück.

Wilhelm Busch (1832-1908)
Der Stern

Hätt' einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wäre wohl nie
dem Sternlein nachgereist, wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
des Wundersternes von dazumal.


Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Es gibt so wunderweiße Nächte

Es gibt so wunderweiße Nächte,
drin alle Dinge Silber sind.
Da schimmert mancher Stern so lind,
als ob er fromme Hirten brächte
zu einem neuen Jesuskind.

Weit wie mit dichtem Demantstaube
bestreut, erscheinen Flur und Flut,
und in die Herzen, traumgemut,
steigt ein kapellenloser Glaube,
der leise seine Wunder tut.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)
Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
sie fromm und lichterheilig wird,
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit. 


Weihnachtsabend Beleuchtetes Haus und Weihnachtsstern
Bild: geralt / pixabay.com

Moritz Gottlieb Saphir (1795-1858)
Am Heiligen Abend

Der Tag verschließt
die reiche Farbenquelle
und Dämmerung macht dem Heiligen Abend Raum.
Ein milder Streif
aus rosenroter Helle
fasst fern die Berge ein
in purpur Saum.
Die Nacht,
sie breitet ihren weichen Schleier
rings um die Erd,
wie um ein schlafend Kind.
Und wie ein Priester geht
zu hoher Tempelfeier
so schreitet still der Mond
durch Nacht und Wind.
Auf Erden auch
da glühen tausend Herzen
und bunte Lichter brennen überall.
Und Liebe strömet aus den offenen Herzen,
vergessen ist des Lebens Kampf und Qual.
Vergessen sind die Tränen grauer Stunden,
vergessen Krankheit, Sorge bittere Not.
Das Kind des Himmels
hat den Weg zu uns gefunden
und mit ihm kam
das neue Morgenrot.
Geh nie von uns
und mach uns stark für alles.
Für alles,
ob in Krankheit, Leid und Schmerz.
Mög uns das Kind des Himmels
Frieden schenken
und trösten
manch gequältes Menschenherz.

Karl Friedrich von Gerok (1815-1890)
O heiliger Abend

O heiliger Abend,
mit Sternen besät,
wie lieblich und labend
dein Hauch mich umweht!
Vom Kindergetümmel,
vom Lichtergewimmel
auf schau ich zum Himmel
im leisen Gebet.

Da funkelt's von Sternen
am himmlischen Saum,
da jauchzt es vom fernen,
unendlichen Raum.
Es singen mit Schalle
die Engelein alle,
ich lausche dem Halle,
mir klingt's wie ein Traum.

O Erde, du kleine,
du dämmernder Stern,
dir gleichet doch keine
der Welten von fern!
So schmählich verloren,
so selig erkoren,
auf dir ist geboren
die Klarheit des Herrn!


Anna Ritter (1865-1921)
Raureif vor Weihnachten

Das Christkind ist durch den Wald gegangen,
Sein Schleier blieb an den Zweigen hangen,
Da fror er fest in der Winterluft
Und glänzt heut' morgen wie lauter Duft.

Ich gehe still durch des Christkind's Garten,
Im Herzen regt sich ein süß Erwarten:
Ist schon die Erde so reich bedacht,
Was hat es mir da erst mitgebracht!

Anna Ritter (1865-1921)
Vom Christkind

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen! 
Es kam aus dem Walde, 
das Mützchen voll Schnee, 
mit rotgefrorenem Näschen. 
Die kleinen Hände taten ihm weh, 
denn es trug einen Sack, der war gar schwer, 
schleppte und polterte hinter ihm her.

Was drin war, möchtet ihr wissen? 
Ihre Naseweise,ihr Schelmenpack - 
denkt ihr, er wäre offen der Sack? 
Zugebunden bis oben hin! 
Doch war gewiss etwas Schönes drin! 
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!


Heinrich Seidel (1842-1906)
Der Weihnachtsbaum

Schön ist im Frühling die blühende Linde,
bienendurchsummt und rauschend im Winde,
hold von lieblichen Düften umweht.

Schön ist im Sommer die ragende Eiche,
die riesenhafte, titanengleiche,
die da in Wettern und Stürmen besteht.

Schön ist im Herbste des Apfelbaums Krone,
die sich dem fleißigen Pfleger zum Lohne
beugt von goldener Früchte Pracht.

Aber noch schöner weiß ich ein Bäumchen,
das gar so lieblich ins ärmlichste Räumchen
strahlt in der eisigen Winternacht.
Keiner kann mir ein schöneres zeigen:
Lichter blinken in seinen Zweigen,
goldene Äpfel in seinem Geist,
und mit schimmernden Sternen und Kränzen
sieht man ihn leuchten, sieht man ihn glänzen
anmutsvoll zum lieblichsten Fest.

Von seinen Zweigen ein träumerisch Düften
weihrauchwolkig weht in den Lüften,
füllet mit süßer Ahnung den Raum!

Dieser will uns am besten gefallen,
ihn verehren wir jauchzend vor allen,
ihn, den herrlichen Weihnachtsbaum!

Peter Cornelius (1824 - 1874)
Christbaum

Wie schön geschmückt der festliche Raum!
Die Lichter funkeln am Weihnachtsbaum!
O fröhliche Zeit! O seliger Traum!

Die Mutter sitzt in der Kinder Kreis;
nun schweiget alles auf ihr Geheiß:
sie singet des Christkinds Lob und Preis.

Und rings, vom Weihnachtsbaum erhellt,
ist schön in Bildern aufgestellt
des heiligen Buches Palmenwelt.

Die Kinder schauen der Bilder Pracht,
und haben wohl des Singen acht,
das tönt so süß in der Weihenacht!

O glücklicher Kreis im festlichen Raum!
O goldne Lichter am Weihnachtsbaum!
O fröhliche Zeit! O seliger Traum!

*Quelle: weihnachten.tagesspiegel.de


Adventsschale
Bild: cocoparisienne / pixabay.com

Kurt Tucholsky (1890 - 1935)
Groß-Stadt-Weihnachten

Nun senkt sich wieder auf die heim’schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.

Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glase.

Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn.

Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
“Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!”

Und frohgelaunt spricht er vom ‘Weihnachtswetter’,
mag es nun regnen oder mag es schnein.
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.

So trifft denn nur auf eitel Gück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden…
“Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug.”

*Quelle: https://tucholsky.de/gedichte/

Ernst von Wildenbruch (1845 - 1909)
Christkind im Walde

Christkind kam in den Winterwald,
der Schnee war weiß, der Schnee war kalt.
Doch als das heil’ge Kind erschien,
fing’s an, im Winterwald zu blühn.

Christkindlein trat zum Apfelbaum,
erweckt ihn aus dem Wintertraum.
„Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart,
schenk Äpfel mir von aller Art!“

Der Apfelbaum, er rüttelt sich,
der Apfelbaum, er schüttelt sich.
Da regnet’s Äpfel ringsumher;
Christkindlein’s Taschen wurden schwer.

Die süßen Früchte alle nahm’s,
und so zu den Menschen kam’s.
Nun, holde Mäulchen, kommt, verzehrt,
was euch Christkindlein hat beschert!


Hans Brüggemann (1480-1540)
Weihnacht

Wenn in des Jahres Lauf, dem allzeit gleichen,
auf leisen Schwingen sich die Christnacht naht,
wenn Erd' und Himmel sich die Hände reichen,
dann schau'n wir dich, du größte Liebestat.

Du Heiland Jesus, kamst aus lichten Höhen,
wie unser Bruder tratst du bei uns ein,
wir haben deine Herrlichkeit gesehen,
und deinen Wandel, fleckenlos und rein.

Verlorne Kinder knien an deiner Krippe,
von jener ersten Weihnacht an bis heut,
es klingt von armer Sünder Herz und Lippe
ein jubelnd "Halleluja!" weit und breit.

Tritt ein, du Spender aller Seligkeiten
in unser Herz und Haus, in Volk und Land,
hilf, dass wir glaubend dir den Weg bereiten,
und mit dir wandern liebend Hand in Hand.

Gib, dass wir hoffend in die Ferne blicken,
auf dich allein, dem wir zu eigen ganz:
kein irdisch Ding soll uns das Ziel verrücken,
bis wir dich schaun in deines Reiches Glanz.

Karl Stieler (1842 - 1885)
Weihnachtsglocken

O Winterwaldnacht, stumm und her,
mit deinen eisumglänzten Zweigen,
lautlos und pfadlos, schneelastschwer,-
wie ist das groß, dein stolzes Schweigen!

Es blinkt der Vollmond klar und kalt;
in tausend funkelharten Ketten
sind festgeschmiedet Berg und Wald,
nichts kann von diesem Baum erretten.

Der Vogel fällt, das Wild bricht ein,
der Quell erstarrt, die Fichten beben;
so ringt den großen Kampf ums Sein
ein tausendfaches banges Leben.

Doch in den Dörfern traut und sacht,
da läuten heut` zur Welt hinieden
die Weihnachtsglocken durch die Nacht
ihr Wunderlied - vom ew`gen Frieden.


Emil Weber (1877-1944)
Christkinds getreuer Knecht

Von grünen Tannen rings umstellt,
liegt still ein Haus am End der Welt.
Dort wohnt und haust auf seiner Art,
ein alter Mann mit langem Bart.

Wenn’s Winter wird, dann gibt’s zu tun,
nicht mal am Abend kann er ruhn.
Und wenn’s die ersten Flocken schneit,
dann schmunzelt er:“ Bald ist’s so weit!“

Und eines Abends schwebt ganz sacht,
ein Englein nieder durch die Nacht.
Es schwebt umglänzt vom goldnen Schein
aufs Häuschen zu und geht hinein.

"He, Alter“, ruft es,“ sei bereit,
Dezember ist´s und Weihnachtszeit.“
Der Alte streicht den langen Bart
und spricht, "Ich bin bereit zur Fahrt“

„Längst fertig sind die Sachen all,
der Esel wartet schon im Stall.“
Der große, graue, dick vom ruh’n,
bekommt nun tüchtig was zu tun.

Drei Säcke voll, bis zum Rand,
so geht’s hinab zum Menschenland.
Tag drauf klopfts bei euch an,
Ihr kriegt ’nen Schreck - der Weihnachtsmann.

Leon Vandersee (? - 1907)
Heilige Nacht

Wieder flammen durch die Nacht
helle Christbaumkerzen,
und ein Kinderheimweh zieht
in die Menschenherzen.

Alte, liebe, fromme Lieder
klingen nah und weit,
leise rauschen Engelsschwingen -
o du selige Zeit!

Wenn die Liebesrosen blühn
an den grünen Zweigen,
kommt Erinnrung heimlich sacht
auf beschneiten Steigen.

Bringt verlorner Kinderträume
fernes Licht zurück,
sehnsuchtsbangen, müden Seelen,
einen Strahl vom Glück.

Christnachtwunder! Duft und Glanz
säumt der Menschheit Pfade:
Sei gegrüßt, du heilige Nacht,
Weihnacht, Fest der Gnade!

*Leon Vandersee ist das Pseudonym
von Helene von Tiedemann


Friedrich Stolze (1816-1891)
Weihnachtszeit

Und zögst du tausend Meilen weit
In alle Welt hinaus,
Und kommt die liebe Weihnachtszeit,
Du wollt‘st, du wärst zu Haus!
Die Nachtigall, so süß sie singt,
Weckt Sehnsucht nicht so sehr,
Als wenn das Weihnachtsglöckchen klingt,
Von deiner Heimat her.

Da fällt dir mit dem Tannenbaum
Und mit dem Lichterschein,
Der ganze schöne, goldne Traum
Von deiner Kindheit ein.
Es wird dir so erinnrungsmild,
Die Tränen kommen schier,
Und manches liebe Menschenbild
Tritt vor die Seele dir.

Und mancher, der dir teuer war,
Und Gutes dir erzeigt,
der schläft nun auch schon manches Jahr -
Die Erde sei ihm leicht!
Und wem du in der Heimat bist
In Liebe zugetan,
Dem stecktest du zum heil‘gen Christ
gern auch ein Lämpchen an.

Und bist geschieden du im Groll,
Heut‘ tut dir‘s doppelt leid.
Und denkst nach Haus wohl wehmutsvoll,
das macht die Weihnachtszeit!
Denn bittrer ist die Fremde nicht
Als in der Weihnachtslust,
Wo du, ein unbekannt Gesicht,
Bei Seite treten musst.

Drum zögst du tausend Meilen weit
In alle Welt hinaus,
Und kommt die liebe Weihnachtszeit
du wollt‘st du wärst zu Haus!
Die Nachtigall, so süß sie singt,
Weckt Sehnsucht nicht so sehr
Als wenn das Weihnachtsglöckchen klingt
Von deiner Heimat her.

Adolf Holst (1867-1945)
Heiligabend

Juchheisa, juchheisa!
Heut kommt der Weihnachtsmann,
und Vater steckt, wenn’s dunkel wird,
die Christbaumlichter an.

Ich freu’ mich sehr, ich sing’ und spring’
und tanz’ auf einem Bein.
Und macht es dreimal klingklingkling,
dann dürfen wir hinein.

Ich wünsch’ mir einen Helm aus Gold
und Fritz ein Schaukelpferd.
Ach, wenn’s doch dreimal klingeln wollt’!
Habt ihr noch nichts gehört?

Helene Branco (1816-1894)
Weihnachtslied

In fröhlichem Bewegen
Wie regt sich weit und breit,
Auf nah' und fernen Wegen,
Die ganze Christenheit.

Ein goldnes Fest erscheinet
Im holden Weihnachtstag,
Was jung und alt vereinet;
Die Freude nur ist wach.

Nun klingt's aus allen Räumen
Von frohem Kinderspiel,
Nun blinkt's von grünen Bäumen,
Ein buntes Lichtgewühl.

Wie klopfen nun die Herzen
Der Kleinen hoch und schnell,
Und tausend Flammenkerzen
Erglühen freundlich hell.

Und all' die Herzen schlagen
Von Lieb' und Dank geschwellt,
Und all' die Kerzen sagen:
Das Heil kam in die Welt!


Marx Möller (1868-1921)
Weihnachtslied

Die Winde brausen und tosen
über Heide und See;
im Garten die Christrosen
blühn heimlich unter dem Schnee;

heimlich, wie in den Bäumen
es leise treibt und drängt;
heimlich wie süßes Träumen,
das dämmernd den Sinn umfängt,

wenn aus der Luft, der klaren,
Weihnachtsgeläute schwebt,
als hätten vor vielen Jahren
schon einmal wir gelebt, -

als hätte unsre Lippe
schon damals das alte Lied
gesungen, als vor der Krippe
wir weinend niedergekniet; -

als hätten wir selber gesehen
des Sternes leuchtendes Licht
über der Hütte stehen, -
und Mariens reines Gesicht, -

und die Strahlen, welche flirrten
um des Kindes blondlockiges Haar, -
und die Könige und die Hirten -
und der Engel jauchzende Schar.

Ada Christen (1839-1901)
Christbaum

Hörst auch du die leisen Stimmen
aus den bunten Kerzlein dringen?
Die vergessenen Gebete
aus den Tannenzweiglein singen?
Hörst auch du das schüchternfrohe,
helle Kinderlachen klingen?
Schaust auch du den stillen Engel
mit den reinen, weißen Schwingen?...
Schaust auch du dich selber wieder
fern und fremd nur wie im Traume?
Grüßt auch dich mit Märchenaugen
deine Kindheit aus dem Baume?...

 


Hermann von Lingg (1820-1905)
Weihnachtsgedicht

Für euch, o Kinder, blüht das Fest der Feste,
was bringt’s wohl diesmal? Welch ein Meer von Licht?
Könnt ihr’s erwarten? Wisst, das Allerbeste,
das habt ihr schon. Das ist’s: ihr wisst’s noch nicht.

Was wir zum Spiel, was wir zum Ernst euch geben,
als reine Freude gebt ihr’s uns zurück.
Das ist das Beste, dass es eurem Leben
noch Wahrheit ist und ungetrübtes Glück.

Noch goldne Früchte trägt an seinen Zweigen
für euch der Tannbaum, der im Wintergraun
und einsam steht im Wald mit ernstem Schweigen,
auf den die goldnen Sterne niederschaun.

Ein ganzes Jahr mit vielen, vielen Tagen
erglänzt an dieses Tages Widerschein.
Mög’ jeder Ernst euch goldne Früchte tragen
und jedes Spiel euch lehren, froh zu sein.

Paula Dehmel (1862-1918)
Weihnachtsschnee

Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,
Es riecht nach Weihnachtstorten;
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
Und bäckt die feinsten Sorten.

Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
Sonst nehmt den Operngucker:
Die große Himmelsbüchse, seht,
Tut Ruprecht ganz voll Zucker.

Er streut - die Kuchen sind schon voll -
Er streut - na, das wird munter:
Er schüttelt die Büchse und streut und streut
Den ganzen Zucker runter.

Ihr Kinder sperrt die Mäulchen auf,
Schnell! Zucker schneit es heute;
Fangt auf, holt Schüsseln - ihr glaubt es nicht?
Ihr seid ungläubige Leute!


Johannes Trojan (1837-1915)
Weihnachtslied

Lieblich wieder durch die Welt
geht die holde Kunde,
die den Hirten auf dem Feld
klang aus Engelsmunde.

Was den Hirten wurde kund,
blieb uns unverloren:
wieder kündet Engelsmund,
dass uns Christ geboren.

Welch ein Glanz durchbricht die Nacht
in des Winters Mitte!
Welche Freude wird gebracht
in die ärmste Hütte!

Winters Nacht und Sorge weicht
hellen Jubel wieder,
und der Himmel wieder steigt
auf die Erde nieder.

Wenn die goldnen Sterne glüh'n
in des Himmels Ferne,
leuchten aus dem Tannengrün
auch viele goldne Sterne.

Haus an Haus mit hellem Schein
flammen auf die Kerzen,
durch die Augen fällt hinein
Licht auch in die Herzen.

Sei willkommen, Weihnachtslust,
kling empor im Liede!
Freude wohn in Menschenbrust,
auf der Erde Friede!

Christian Morgenstern (1871-1914)
Das Weihnachtsbäumlein

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.
Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
Die grünen Nadeln war'n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.
Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm -
Hei! Tat`s da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.


Ferdinand von Saar (1833-1906)
Christnacht

Wieder mit Flügeln, aus Sternen gewoben,
senkst du herab dich, o heilige Nacht;
was durch Jahrhunderte alles zerstoben,
du noch bewahrst deine leuchtende Pracht.

Ging auch der Welt schon der Heiland verloren,
der sich dem Dunkel der Zeiten entrang,
wird er doch immer aufs Neue geboren,
nahst du, Geweihte, dem irdischen Drang.

Selig durchschauernd kindliche Herzen,
bist du des Glaubens süßester Rest;
fröhlich begangen bei flammenden Kerzen,
bist du das schönste, menschlichste Fest.

Theodor Fontane (1819-1898)
Advent

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
aber als Knecht Ruprecht schon
kommt der Winter hergeschritten,
und alsbald aus Schnees Mitten
klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
bunt auf uns herniedersah,
weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
und das Jahr geht auf die Neige,
und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
heute bist du uns noch fern,
aber Tannen, Engel, Fahnen
lassen uns den Tag schon ahnen,
und wir sehen schon den Stern.


Hoffmann von Fallersleben (1809-1894)
Vom Honigkuchenmann

Keine Puppe will ich haben -
Puppen gehn mich gar nichts an.
Was erfreun mich kann und laben,
ist ein Honigkuchenmann,
so ein Mann mit Leib und Kleid
durch und durch von Süßigkeit.

Stattlicher als eine Puppe
sieht ein Honigkerl sich an,
eine ganze Puppengruppe
mich nicht so erfreuen kann.
Aber seh´ich recht dich an,
dauerst du mich, lieber Mann.

Denn du bist zum Tod erkoren -
bin ich dir auch noch so gut,
ob du hast ein Bein verloren,
ob das andre weh dir tut:
Armer Honigkuchenmann,
hilft dir nichts, du musst doch dran!