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Weihnachtsgedichte klassischer Autoren

Klassische Gedichte zur Advents- und Weihnachtszeit

Weihnachtsengel mit Schlitten
Bild: annca / pixabay.com

Nach Hause kommen, das ist es,
was das Kind von Bethlehem
allen schenken will, die weinen,
wachen und wandern auf dieser Erde.

Friedrich v. Bodelschwingh (1831-1910), ev. Pastor und Theologe


Weihnachtsgedichte klassischer Autoren von A - L

Advent
Theodor Fontane

Alles still
Theodor Fontane

Am heiligen Abend
Karl von Gerok

Ans Christkind
Heinrich Federer

Bescherung
Hanns von Gumppenberg

Christbaum
Peter Cornelius

Christbaumnüsse
Hanns von Gumppenberg

Christnacht
Hedwig Lachmann

Der Christbaum
Karl Rudolf Hagenbach

Der Weihnachtsbaum
Ernst Moritz Arndt

Die Heil´gen Drei Könige
Heinrich Heine

Die Weihnachtsbäume
Gustav Falke

Die Weihnachtsglocken
Karl Ernst Knodt

Die weiße Weihnachtsrose
Hermann von Lingg

Es ist Advent
Friedrich Wilhelm Kritzinger

Friede auf Erden
Johannes Brassel

Heiliger Morgen
Otto Ernst

In der Christnacht
Ottokar Kernstock

Noch einmal ein Weihnachtsfest
Theodor Fontane

Nun wandelt auf verschneiten Wegen
Victor Blüthgen

O heiliger Abend
Karl Friedrich von Gerok

Schneelied zu Weihnachten
Otto Julius Bierbaum

Verse zum Advent
Theodor Fontane

Vom Honigkuchenmann
Hoffmann von Fallersleben

Weihnacht
Ludwig Anzengruber

Weihnacht
Hans Brüggemann

Weihnacht
Emanuel Geibel

Weihnacht
Hugo von Hofmannsthal

Weihnachten
A. H. Hoffmann v. Fallersleben

Weihnachten
Johann Wolfgang von Goethe

Weihnachten
Adelheid Humperdinck-Wette

Weihnachten bei den Großeltern
Jakob Loewenberg

Weihnachtsgedicht
Hermann von Lingg

Weihnachtsglocken
Richard Dehmel

Weihnachtslegende
Alice Freiin von Gaudy

Weihnachtslied
Johannes Brassel

Weihnachtslied
Helene Branco

Weihnachtsschnee
Paula Dehmel

Weihnachtsstimmen
Rudolf Bunge

 

 


Theodor Fontane (1819-1898)
Verse zum Advent

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.

Quelle: http://www.textquellen.de

Hermann von Lingg (1820-1905)
Die weiße Weihnachtsrose

Wenn über Wege tief beschneit,
Der Schlitten lustig rennt,
Im Spätjahr in der Dämmerzeit
Die Wochen im Advent,
Wenn aus dem Schnee das junge Reh
Sich Kräuter sucht und Moose:
Blüht unverdorrt im Frost noch fort
Die weiße Weihnachtsrose.

Kein Blümchen sonst auf weiter Flur;
In ihrem Dornenkleid
Nur sie, die niedre Distel nur
Trotzt allem Winterleid;
Das macht, sie will erwarten still,
Bis sich die Sonne wendet,
Damit sie weiß, daß Schnee und Eis
Auch diesmal wieder endet.

Doch ist’s geschehn, nimmt fühlbar kaum
Der Nächte Dunkel ab,
Dann sinkt mit einem Hoffnungstraum
Auch sie zurück in‘s Grab.
Nun schläft sie gern; sie hat von fern
Des Frühlings Gruß vernommen,
Und o wie bald wird glanzumwallt
Er sie zu wecken kommen!

Peter Cornelius (1824 - 1874)
Christbaum

Wie schön geschmückt der festliche Raum!
Die Lichter funkeln am Weihnachtsbaum!
O fröhliche Zeit! O seliger Traum!

Die Mutter sitzt in der Kinder Kreis;
nun schweiget alles auf ihr Geheiß:
sie singet des Christkinds Lob und Preis.

Und rings, vom Weihnachtsbaum erhellt,
ist schön in Bildern aufgestellt
des heiligen Buches Palmenwelt.

Die Kinder schauen der Bilder Pracht,
und haben wohl des Singen acht,
das tönt so süß in der Weihenacht!

O glücklicher Kreis im festlichen Raum!
O goldne Lichter am Weihnachtsbaum!
O fröhliche Zeit! O seliger Traum!

*Quelle: weihnachten.tagesspiegel.de

Karl Friedrich von Gerok (1815-1890)
O heiliger Abend

O heiliger Abend,
mit Sternen besät,
wie lieblich und labend
dein Hauch mich umweht!
Vom Kindergetümmel,
vom Lichtergewimmel
auf schau ich zum Himmel
im leisen Gebet.

Da funkelt's von Sternen
am himmlischen Saum,
da jauchzt es vom fernen,
unendlichen Raum.
Es singen mit Schalle
die Engelein alle,
ich lausche dem Halle,
mir klingt's wie ein Traum.

O Erde, du kleine,
du dämmernder Stern,
dir gleichet doch keine
der Welten von fern!
So schmählich verloren,
so selig erkoren,
auf dir ist geboren
die Klarheit des Herrn!

Hans Brüggemann (1480-1540)
Weihnacht

Wenn in des Jahres Lauf, dem allzeit gleichen,
auf leisen Schwingen sich die Christnacht naht,
wenn Erd' und Himmel sich die Hände reichen,
dann schau'n wir dich, du größte Liebestat.

Du Heiland Jesus, kamst aus lichten Höhen,
wie unser Bruder tratst du bei uns ein,
wir haben deine Herrlichkeit gesehen,
und deinen Wandel, fleckenlos und rein.

Verlorne Kinder knien an deiner Krippe,
von jener ersten Weihnacht an bis heut,
es klingt von armer Sünder Herz und Lippe
ein jubelnd "Halleluja!" weit und breit.

Tritt ein, du Spender aller Seligkeiten
in unser Herz und Haus, in Volk und Land,
hilf, dass wir glaubend dir den Weg bereiten,
und mit dir wandern liebend Hand in Hand.

Gib, dass wir hoffend in die Ferne blicken,
auf dich allein, dem wir zu eigen ganz:
kein irdisch Ding soll uns das Ziel verrücken,
bis wir dich schaun in deines Reiches Glanz.

Helene Branco (1816-1894)
Weihnachtslied

In fröhlichem Bewegen
Wie regt sich weit und breit,
Auf nah' und fernen Wegen,
Die ganze Christenheit.

Ein goldnes Fest erscheinet
Im holden Weihnachtstag,
Was jung und alt vereinet;
Die Freude nur ist wach.

Nun klingt's aus allen Räumen
Von frohem Kinderspiel,
Nun blinkt's von grünen Bäumen,
Ein buntes Lichtgewühl.

Wie klopfen nun die Herzen
Der Kleinen hoch und schnell,
Und tausend Flammenkerzen
Erglühen freundlich hell.

Und all' die Herzen schlagen
Von Lieb' und Dank geschwellt,
Und all' die Kerzen sagen:
Das Heil kam in die Welt!

Rudolf Bunge (1836-1907)
Weihnachtsstimmen

Unter tiefem Schnee die Welt,
Doch im Herzen Blühn und Sprossen –
Sternenlicht vom Himmelszelt
Auf die Erde ausgegossen –
Fromme Hirten hier im Tal,
Dort des Welterlösers Krippe:
Heil'ge Nacht voll Licht und Strahl,
Feiernd grüßt dich jede Lippe!

Heil'ge Nacht, du süße Nacht,
Nacht der grünen Tannenbäume,
Wo die Engel halten Wacht
Über goldne Kinderträume,
Wo die ärmste Menschenbrust
Sich dem heil'gen Licht erschließet,
Das vom Himmel unbewusst
Weihnachtsfreuden niedergießet:

Führe du gen Bethlehem
Heute noch die frommen Hirten;
Kön'ge von Jerusalem,
Bringet Weihrauch, bringet Myrten:
Zeigt es, dass der große Streit,
Der die Menschen trennt nur Lüge,
Dass die Liebe Blumen streut
Auf des ärmsten Kindes Wiege! –

Engel grüßen euch daraus; –
Habt ihr nicht den Ruf vernommen:
»Treten in des Armen Haus«,
»Lasst die Kindlein zu euch kommen!?«
Jedes Kind ein Christuskind,
Dessen Herz noch rein vor Lüge,
Und die Hütten Bethlehems sind
Wo die Armut in der Wiege.

Drum, ihr Hirten, nehmt den Stab
Und verlasset eure Herden:
Zieht gen Bethlehem hinab:
Fried' und Freud sei auf Erden!
Denn es leuchtet hell der Stern,
Dem zu folgen euch beschieden:
Gebt die Ehre Gott dem Herrn –
Aber seiner Welt den Frieden!

Theodor Fontane (1819-1898)
Advent

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
aber als Knecht Ruprecht schon
kommt der Winter hergeschritten,
und alsbald aus Schnees Mitten
klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
bunt auf uns herniedersah,
weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
und das Jahr geht auf die Neige,
und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des Herrn,
heute bist du uns noch fern,
aber Tannen, Engel, Fahnen
lassen uns den Tag schon ahnen,
und wir sehen schon den Stern.

Hoffmann von Fallersleben (1809-1894)
Vom Honigkuchenmann

Keine Puppe will ich haben -
Puppen gehn mich gar nichts an.
Was erfreun mich kann und laben,
ist ein Honigkuchenmann,
so ein Mann mit Leib und Kleid
durch und durch von Süßigkeit.

Stattlicher als eine Puppe
sieht ein Honigkerl sich an,
eine ganze Puppengruppe
mich nicht so erfreuen kann.
Aber seh´ich recht dich an,
dauerst du mich, lieber Mann.

Denn du bist zum Tod erkoren -
bin ich dir auch noch so gut,
ob du hast ein Bein verloren,
ob das andre weh dir tut:
Armer Honigkuchenmann,
hilft dir nichts, du musst doch dran!


Adventsschale
Bild: cocoparisienne / pixabay.com

Hermann von Lingg (1820-1905)
Weihnachtsgedicht

Für euch, o Kinder, blüht das Fest der Feste,
was bringt’s wohl diesmal? Welch ein Meer von Licht?
Könnt ihr’s erwarten? Wisst, das Allerbeste,
das habt ihr schon. Das ist’s: ihr wisst’s noch nicht.

Was wir zum Spiel, was wir zum Ernst euch geben,
als reine Freude gebt ihr’s uns zurück.
Das ist das Beste, dass es eurem Leben
noch Wahrheit ist und ungetrübtes Glück.

Noch goldne Früchte trägt an seinen Zweigen
für euch der Tannbaum, der im Wintergraun
und einsam steht im Wald mit ernstem Schweigen,
auf den die goldnen Sterne niederschaun.

Ein ganzes Jahr mit vielen, vielen Tagen
erglänzt an dieses Tages Widerschein.
Mög’ jeder Ernst euch goldne Früchte tragen
und jedes Spiel euch lehren, froh zu sein.

Paula Dehmel (1862-1918)
Weihnachtsschnee

Ihr Kinder, sperrt die Näschen auf,
Es riecht nach Weihnachtstorten;
Knecht Ruprecht steht am Himmelsherd
Und bäckt die feinsten Sorten.

Ihr Kinder, sperrt die Augen auf,
Sonst nehmt den Operngucker:
Die große Himmelsbüchse, seht,
Tut Ruprecht ganz voll Zucker.

Er streut - die Kuchen sind schon voll -
Er streut - na, das wird munter:
Er schüttelt die Büchse und streut und streut
Den ganzen Zucker runter.

Ihr Kinder sperrt die Mäulchen auf,
Schnell! Zucker schneit es heute;
Fangt auf, holt Schüsseln - ihr glaubt es nicht?
Ihr seid ungläubige Leute!

Adelheid Humperdinck-Wette (1858-1916)
Weihnachten

Leise weht’s durch alle Lande
wie ein Gruß vom Sternenzelt,
schlinget neue Liebesbande
um die ganze weite Welt.

Jedes Herz mit starkem Triebe
ist zu Opfern froh bereit,
denn es naht das Fest der Liebe,
denn es naht die Weihnachtszeit.

Und schon hat mit tausend Sternen
sich des Himmels Glanz entfacht,
leise tönt aus Himmelsfernen
Weihgesang der heil’gen Nacht.

Hell aus jedem Fenster strahlet
wundersam des Christbaums Licht,
und der Freude Schimmer malet
sich auf jedem Angesicht.

Lichte Himmelsboten schweben
ungeseh’n von Haus zu Haus;
selig Nehmen, selig Geben
geht von ihrer Mitte aus.

O willkommen, Weihnachtsabend,
allen Menschen, groß und klein!
Friedebringend, froh und labend
mögst du allen Herzen sein!

Otto Ernst (1862-1926)
Heiliger Morgen

Von den Tannen träufelt Märchenduft;
Leise Weihnachtsglocken sind erklungen –
Blinkend fährt mein Hammer durch die Luft;
Denn ein Spielzeug zimmr‘ ich meinem Jungen.

Graue Wolken kämpfen fernen Kampf;
Blau darüber strahlt ein harter Himmel.
Durch die Nüstern stößt den weißen Dampf
Vor der Tür des Nachbars breiter Schimmel.

Kommt Herr Doktor Schlapprian daher,
Zigaretten- und Absinthvertilger!
Voll erhab’nen Hohns lächelt er,
Hirn- und lendenlahmer Abwärtspilger.

Spöttisch grüßend schlendert er dahin
Und – verachtet mich, den blöden Gimpel,
Der gefügig spannt den dumpfen Sinn
In die Enge, ein »Familiensimpel«. –

Rote Sonne überm Schneegefild:
Und das weite Feld ein Sterngewimmel!
Und ins Auge spann ich euer Bild,
Wundererde – unerforschter Himmel.

Und den frischen, kalten, klaren Tag
Saug‘ ich ein mit gierig starken Lungen –
Pfeifend trifft mein Hammer Schlag um Schlag,
Und ein Spielzeug zimmr‘ ich meinem Jungen.

Richard Dehmel (1863-1920)
Weihnachtsglocken

Tauchet, heil'ge Klänge, wieder
ganz in meinen Glauben mich!
Quellet, quellt, ihr alten Lieder:
füllet ganz mit Reinheit mich!

Daß ich in die Kniee fallen,
Ein Mal wieder beten kann,
Ein Mal wie ein Kind noch lallen
und die Hände falten kann!

Denn ich fühl's: die Liebe lebet,
die in Ihm geboren worden,
ob sie gleich in Rätseln schwebet,
ob gleich Er gekreuzigt worden;

denn ich sehe fromm sie werden –
heute, Ewig fromm – die Menschen,
wenn es klinget: Fried' auf Erden
und ein Wohlgefall'n den Menschen!

Karl Ernst Knodt (1856-1917)
Die Weihnachtsglocken

Wie tönen heut' die Weihnachtsglocken
Viel voller übers weiße Land,
So voll und weit, als gäb's kein Stocken
An irgend einer Felsenwand.

Als wär' die ganze weite Erde
Ein unbegrenztes, großes Meer –
Und drüber brauste neu ein „Werde“
Mit welterlösenden Lauten her.

Ein Liebeston lebt in den Klängen,
Den nur das Kinderohr versteht,
Ein Ton aus himmlischen Gesängen,
Wie Er die Welt einmal umweht

Im ganzen Jahr, – ein Engelreigen,
Wie er um Gottes Thron erklingt.
Erwach', o Welt, dich neu zu neigen
Dem Heiland, der den Frieden bringt!

Gustav Falke (1853-1916)
Die Weihnachtsbäume

Nun kommen die Weihnachtsbäume
aus dem Wald in die Stadt herein.
Träumen sie ihre Waldesträume
wieder beim Laternenschein?

Könnten sie sprechen! Die holden Geschichten
von der Waldfrau, die Märchen webt,
was wir uns alles erst erdichten,
sie haben das alles wirklich erlebt.

Da stehn sie nun an den Straßen und schauen
wunderlich und fremd darein,
als ob sie der Zukunft nicht recht trauen,
es muß doch was im Werke sein.

Freilich, wenn sie dann in den Stuben
im Schmuck der hellen Kerzen stehn,
und den kleinen Mädchen und Buben
in die glänzenden Augen sehn,

dann ist ihnen auf einmal, als hätte
ihnen das alles schon mal geträumt,
als sie noch im Wurzelbette
den stillen Waldweg eingesäumt.

Dann stehen sie da, so still und selig,
als wäre ihr heimlichstes Wünschen erfüllt,
als hätte sich ihnen doch allmählich
ihres Lebens Sinn enthüllt:

als wären sie für Konfekt und Lichter
vorherbestimmt, und es müßte so sein,
und ihre spitzen Nadelgesichter
sehen ganz verklärt darein.

Emanuel Geibel (1815-1884)
Weihnacht

Wie bewegt mich wundersam
Euer Hall, ihr Weihnachtsglocken,
Die ihr kündet mit Frohlocken,
Dass zur Welt die Gnade kam.

Überm Hause schien der Stern,
Und in Lilien stand die Krippe,
Wo der Engel reine Lippe
Hosianna sang dem Herrn.

Herz, und was geschah vordem,
Dir zum Heil erneut sich's heute:
Dies gedämpfte Festgeläute
Ruft auch dich nach Bethlehem.

Mit den Hirten darfst du ziehn,
Mit den Königen aus Osten
Und in ihrer Schar getrosten
Muts vor deinem Heiland knien.

Hast du Gold nicht und Rubin,
Weihrauch nicht und Myrrhenblüte:
Schütt' aus innerstem Gemüte
Deine Sehnsucht vor ihm hin!

Sieh, die Händchen zart und lind
Streckt er aus, zum Born der Gnaden,
Die da Kinder sind, zu laden,
Komm! Und sei auch du ein Kind!


Weihnachtsdeko mit Wichteln und Kerze
Bild: Oldiefan / pixabay.com

Victor Blüthgen (1844-1920)
Nun wandelt auf verschneiten Wegen

Nun wandelt auf verschneiten Wegen
die Friedensbotschaft durch die Welt,
aus Ewigkeit ein lichter Segen
in das Gewühl des Tages fällt.
Schon blinkt die Nacht, die Glocken schwingen,
und willig macht die Menschheit halt,
das wilde Drängen, Hasten, Ringen
entschläft, der wüste Lärm verschallt.

Ein Opferduft aus Tannenzweigen,
ein Wunderbaum mit Sternenpracht,
und um den Baum ein Jubelreigen –
das ist das Fest, von Gott gemacht.
O holder Traum, laß dich genießen:
daß alles glücklich, gut und fromm!
Dann mag die Seligkeit zerfließen,
der alte Kampfplatz winken: Komm!

Ernst Moritz Arndt (1769-1860)
Der Weihnachtsbaum

Steht er da der Weihnachtsbaum
Wie ein bunter goldner Traum,
Spiegelt Unschuldkinderglück,
All sein Paradies zurück.

Und wir schau'n und denken dann,
Wie uns heut das Heil begann,
Wie das Kindlein Jesus Christ
Heut zur Welt geboren ist;

Wie das Kind von Himmelsart
Lag auf Stroh und Halmen hart,
Wie der Menschheit Hort und Trost
Erdenelend hat erlost.

Also steh'n und schauen wir
Gottes Lust und Gnade hier:
Was uns in dem Kindlein zart
Alles heut geboren ward.

Blüh' denn, leuchte, goldner Baum,
Erdentraum und Himmelstraum,
Blüh' und leucht' in Ewigkeit
Durch die arme Zeitlichkeit!

Sei uns Bild und sei uns Schein,
Daß wir sollen fröhlich sein,
Fröhlich durch den süßen Christ,
Der des Lebens Leuchte ist.

Sei uns Bild und sei uns Schein,
Daß wir sollen tapfer sein
Auf des Lebens Pilgerbahn,
Kämpfend gegen Lug und Wahn.

Sei uns Bild und sei uns Schein,
Daß wir sollen heilig sein,
Rein wie Licht und himmelklar,
Wie das Kindlein Jesus war.

Karl von Gerok (1815-1890)
Am heiligen Abend

O heiliger Abend,
mit Sternen besät,
wie lieblich und labend
dein Hauch mich umweht!
Vom Kindergetümmel,
vom Lichtergewimmel
aufschau ich zum Himmel
in leisem Gebet.

Da funkelt von Sternen
ein himmlischer Baum,
da jauchzt es im fernen,
ätherischen Raum;
da lassen die Sphären
in seligen Chören
glückwünschend sich hören;
mir klingt's wie im Traum.

Es führet mit Feuer
Orion den Chor,
die himmlische Leier
tönt golden hervor;
dann folgen mit Schalle
die Sternelein alle;
dem lieblichsten Halle
lauscht selig mein Ohr:

»O Erde, du kleine,
du dämmernder Stern,
doch gleichet dir keine
der Welten von fern!
So schmählich verloren,
so selig erkoren,
auf dir ist geboren
die Klarheit des Herrn!«

»Wir wandeln da oben
im ewigen Licht,
den Schöpfer zu loben
ist selige Pflicht;
wir wallen und wohnen
seit vielen Äonen
und himmlischen Thronen
und sündigen nicht.«

»Wir funkeln im alten
urewigen Glanz,
du hast nicht behalten
den himmlischen Kranz;
doch neu dich zu heben
vom Tode zu Leben,
hat dir sich ergeben
der Ewige ganz!«

»Wir kennen nicht Tränen,
nicht Tod und nicht Grab,
doch ziehet ein Sehnen
zu dir uns hinab,
wo liebend gelitten,
wo segnend geschritten
durch niedrige Hütten
dein göttlicher Knab'.«

»Du unter den Welten
wie Bethlehem klein,
in himmlischen Zelten
gedenket man dein.«
So klangen die Lieder
der Sterne hernieder,
da freut ich mich wieder,
von Erde zu sein.

Ludwig Anzengruber (1839 - 1889)
Weihnacht

Ob hoch, ob nieder wir geboren,
so wie uns antritt das Geschick,
so geht der frohe Kindesblick,
das Kinderherz geht uns verloren.

Zerstoben bis auf wenige Reste
ist der Erinnerung Gewalt,
abwägend stehen wir und kalt
selbst vor des Jahres schönstem Feste.

Wir stehn vor einem toten Baume,
gemordet an des Waldes Rand,
geschmückt mit Flitter und mit Tand,
gar ungleich unserm Kindheitstraume,

Doch stürzet dann herein zur Schwelle
die kleine schar mit Jubelschrei,
dann schleicht auch uns in Herz dabei
der Weihnachtslieder frohe Helle.

Dem allen, was mit scharfem Sinnen
du an den Dingen dir erschließt
und was du wägst und zählst und misst,
dem läßt kein Glück sich abgewinnen!

Drum laß das Kritteln und Verneinen,
und lautern Herzens sei bereit,
zur frohen sel´gen Weihnachtszeit
dem Kinderjubel dich zu einen.

Erfasse ganz des Glaubens Fülle,
der deine Kindheit einst durchweht,
vom Gott, der hilfbereit entsteht,
in armer, dürft´ger Menschenhülle.

Der Heiland wallt allzeit auf Erden,
das glaube felsenfest und treu,
nur freilich muß er stets aufs neu
in jeder Brust geboren werden.


*Quelle: www.
zgedichte.de/gedichte

Karl Rudolf Hagenbach (1801-1874)
Der Christbaum

Ein schmuckes Bäumlein grünet heute
Im Kinderstübchen armer Leute,
Wie in des reichen Mannes Haus,
Die Früchte sind für all' die gleichen,
Den Jungen, Alten, Armen, Reichen
Trägt dieses Bäumlein gleich viel aus.

Es wurzelt tief im Kindesglauben,
Und wolltet ihr ihm diesen rauben,
Verdorren müßte bald das Reis,
Der jungen Pflanze zarte Triebe,
Sie wirken durch die reine Liebe,
Die nur von Dank und Freude weiß.

Drum sind die allerkleinsten Gaben
Für die, so Lieb' und Glauben haben
Am Weihnachtstag vertausendfacht;
Wo Kindesglaub' und Liebe fehlen,
Da mag kein Flitter es verhehlen,
Kahl sei der Baum und selbstgemacht.

Theodor Fontane (1819-1898)
Noch einmal ein Weihnachtsfest

Noch einmal ein Weihnachtsfest,
Immer kleiner wird der Rest,
aber nehm ich so die Summe,
Alles Grade, alles Krumme,
Alles Falsche, alles Rechte,
Alles Gute, alles Schlechte –
Rechnet sich aus all dem Braus
Doch ein richtig Leben raus,
Und dies können ist das Beste
Wohl bei diesem Weihnachtsfeste.

Hanns von Gumppenberg (1866-1928)
Christbaumnüsse

Kehrt der Weihnachtsabend wieder,
Friedvoll und verheißungshold,
Schmückt man viele tauben Nüsse
Festlich mit dem Flittergold.

Und die goldnen Nüsse leuchten
Herrlich in dem Lichtermeer,
Wundersame Märchenfrüchte -
Innen aber sind sie leer.

Und wie reich die schönen schimmern
So von außen, so von fern,
Höher wären sie zu schätzen,
Bärgen sie den süßen Kern:

Dienten sie nicht blos den Träumen
Eine Stunde oder zwei,
Gäben sie auch brav zu zehren,
Wenn das Friedensfest vorbei.

*Quelle: zgedichte.de

Hanns von Gumppenberg (1866-1928)
Bescherung

Hei, wie das trippelt und tastet und späht,
Aufgreift und mustert in fiebernder Eile,
Bis dann ein jedes Menschlein steht
Stolz überschauend vor seinem Teile!

Und von der Beute, der bunten, entzückt
Jauchzen die kleinen Herren und Damen:
Aber am meisten sind sie beglückt,
Weil sie auch alle gleich viel bekamen!

Freut euch nur wacker im zaubrischen Bann
Silberumwobenen, strahlenden Baumes -
Lustig und hell, solange sie kann,
Leuchte die Liebe des Gleichheitstraumes!

Noch beschenkt euch das Christkind ja,
Jedem dasselbe Plaisier zu bereiten -
Später beschert euch der Himmelpapa,
Und der hat seine Eigenheiten.

*Quelle: zgedichte.de

Heinrich Federer (1866-1928)
Ans Christkind

Warum bist Du auf diese Welt,
O Kind, so klein gekommen?
Hast nicht als wie ein großer Held
Ein gülden Schwert genommen?
Warum in Windeln und in Stroh
Lässt Du so klein Dich betten?
Ist das denn besser, schöner so,
Als Samt und Perlenketten?

O kämest Du wohl hoch zu Ross
Auf Schimmel oder Rappen
In einem sonnenhellen Tross
Von Rittern und von Knappen:
Dann beugten sich wohl tief vor Dir
Die allersteifsten Rücken.
Doch so ein Kind? — Ich zweifle schier,
Ob sie noch gern sich bücken.

Als sesselhohes Büblein hab'
Ich mich umsonst beraten;
Nun bin ich schon ein kluger Knab'
Und hab' es, glaub', erraten.
Denn kämest Du in Glanz daher,
Ein König oder Kaiser,
Ach, das erschreckte uns gar sehr,
Da kommst Du lieber leiser.

Da kommst Du lieber klein und schwach
In einem dünnen Windlein
Und kaum beschirmt vom Hüttendach,
Fast wie ein Bettelkindlein,
Dass sich der allerärmste Mann
Dir nahe ohne Zaudern,
Und dass das dümmste Bübchen kann
Mit Dir vom Himmel plaudern.

Und darum kommst Du wie ein Kind,
Dass auch die großen Leute,
Die hoch und stolz wie Bäume sind,
Zum Kinde werden heute.
Ja, jeder werde unschuldvoll
Wie in den ersten Jahren,
Beim neugebornen Heiland soll
Er Neugeburt erfahren.

Und fürchte keiner, dass er klein
Und schwach fürs Leben werde.
Hat nicht das Christkind ganz allein
Besiegt ringsum die Erde? —
O Heiland in Mariens Schoß,
Heut lehre uns erkennen,
Dass nichts so heilig ist und groß,
Als sich Dein Kind zu nennen!

Alice Freiin von Gaudy (1863-1929)
Weihnachtslegende

In heiliger Nacht flogen Hand in Hand
drei Englein hinab in das jüdische Land.

Sie wollten die seligste aller Frau´n
und das göttliche Kind in der Krippe schaun.

Der Stern von Bethlehem war noch wach
und strahlte mild auf das flache Dach.

Sie suchten die Pforte und fanden sie bald
uns lugten wechselnd durch heimlichen Spalt.

Sie riefen und baten und klopften ganz sacht,
bis Joseph behutsam aufgemacht.

Im Stall war es dämmrig. Sie schwebten heran
und schauten den schlummernden Heiland an.

Der eine hob hoch die Ampel empor
und breitete schattend sein Flüglein davor.

Der zweite schob sanft in des Kindleins Hand
ein Sternlein, gefunden am Himmelsrand.

Der dritte hat fromm vor der Krippe gekniet
und sang mit süßer Stimme ein Lied.

Da zog ein Lächeln, göttlich und licht,
über des himmlischen Kindes Gesicht.

Für alle Zukunft hat es geweiht
die Feier der heiligen Weihnachtszeit.

Die strahlende Leuchte, den Weihnachtsstern
und das fromme Lied zum Preise des Herrn.

*Quelle: gedichte.xbib.de

Weihnachtsmotiv: Schlafender Engel unter Sternen
Bild: cocoparisienne / pixabay. com

Johannes Brassel 1848 - 1916
Weihnachtslied

Leise ob der Erde Fluren
Wie ein leuchtend Diadem
Zieht ein Stern die gold'nen Spuren
Bis zum kleinen Bethlehem.

Und ein Strahl der ew'gen Wahrheit
Sinkt vom Himmel auf die Welt,
Der mit wundersamer Klarheit
Armer Hirten Nacht erhellt.

Heil'ge Nacht! Ein lieblich Rauschen
Weht durchs unbegrenzte All.
Müde Menschenherzen lauschen
Jenen Klängen überm Stall.

Frieden, süßen Frieden kündet
Himmelher die Engelschar,
Und der Liebe Macht verbindet,
Was getrennt hienieden war.

Heil'ge Nacht, dein Lichtgefunkel
Strahle durch der Erde Nacht,
Daß dem Aermsten in dem Dunkel
Seines Leid's die Liebe lacht!

Gehe auf mit deinem Glanze
In den Herzen nah und fern,
Reinstes Licht im Himmelskranze,
Du, o holder Weihnachtsstern!

Johannes Brassel 1848 - 1916
Friede auf Erden

Wie ist die Welt so kalt!
Schneelast drückt schwer
Auf der Tanne Geäst,
Und traurig und sanglos
Kauern auf blattlosem Zweig
Hungernde Vögel.

So liegt auf den Völkern
Schneeschwer die eiserne Hand
Des Kriegsgottes, dem mehr wir opfern,
Als unsern Waisen und Armen,
Und traurig schaut das Auge
Ueber die Winterwelt der Menschheit.

Da horch! Wie Engelstimmen
Klingt aus dem hellen Kirchlein
Der Kinder Jubelchor:
Friede auf Erden!
Mir ziehts durch die Seele, als müßte
Der Frühling über die Völker kommen,
Der Frühling des Friedens.

Friedrich Wilhelm Kritzinger 1816 - 1890
Es ist Advent

Die Blumen sind verblüht im Tal,
die Vöglein heimgezogen;
Der Himmel schwebt so grau und fahl,
es brausen kalte Wogen.
Und doch nicht Leid im Herzen brennt:
Es ist Advent!

Es zieht ein Hoffen durch die Welt,
ein starkes, frohes Hoffen;
das schließet auf der Armen Zelt
und macht Paläste offen;
das kleinste Kind die Ursach kennt:
Es ist Advent!

Advent, Advent, du Lerchensang
von Weihnachts Frühlingstunde!
Advent, Advent, du Glockenklang
vom neuen Gnadenbunde!
Du Morgenstrahl von Gott gesendt!
Es ist Advent!

Ottokar Kernstock 1848 - 1928
In der Christnacht

Ein Bettelkind schleicht durch die Gassen -
Der Markt läßt seine Wunder seh’n:
Lichtbäumchen, Spielzeug, bunte Massen.
Das Kind blieb traumverloren steh’n.

Aufseufzt die Brust, die leidgepreßte,
Die Wimpern sinken tränenschwer.
Ein freudlos Kind am Weihnachtsfeste -
Ich weiß kein Leid, das tiefer wär’.

Im Prunksaal gleißt beim Kerzenscheine
Der Gaben köstliches Gemisch,
Und eine reichgeputzte Kleine
Streicht gähnend um den Weihnachtstisch.

Das Schönste hat sie längst, das Beste,
Ihr Herz ist satt und wünscht nichts mehr.
Ein freudlos Kind am Weihnachtsfeste -
Ich weiß kein Leid, das tiefer wär’.

Doch gält’s in Wahrheit zu entscheiden,
Wer des Erbarmens Preis verdient -
Ich spräch’: Das ärmste von euch beiden
Bist du, du armes reiches Kind!


Kind mit Katze am Fenster - Draußen Weihnachtsbaum und Sternenhimmel
Bild: pixabay.com

Hedwig Lachmann 1865 - 1918
Christnacht

Es steht ein Stern verloren
Hoch über einem Haus;
Drin ist ein Kind geboren:
Ein Licht geht von ihm aus.

Von wenigen vernommen
Tönt eine Botschaft fern:
Die Weisen und die Frommen
Verkünden jenen Stern.

Da lauschen alle Ohren,
Zu denen Kunde dringt:
Wo ist der Mensch geboren,
Der mir Erlösung bringt?

Die Stätte zu betreten,
Welch Weges muss ich ziehn?
Das Wunder anzubeten,
Wo gläubig niederknien?

*Quelle: https://www.gedichte7.de/

Theodor Fontane (1819-1898)
Alles still

Alles still! es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! Die Dorfes-Hütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht; –
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)
Weihnacht

Weihnachtsgeläute
Im nächtigen Wind...
Wer weiß, wo heute
Die Glocken sind,
Die Töne von damals sind?

Die lebenden Töne
Verflogener Jahr′
Mit kindischer Schöne
Und duftendem Haar,
Mit tannenduftigem Haar,

Mit Lippen und Locken
Von Träumen schwer?...
Und wo kommen die Glocken
Von heute her,
Die wandernden heute her?

Die kommenden Tage,
Die wehn da vorbei.
Wer hörts, ob Klage,
Ob lachender Mai,
Ob blühender, glühender Mai?...

Jakob Loewenberg (1856-1929)
Weihnachten bei den Großeltern

Heut abend, als wir zu euch gingen,
da war in der Luft ein leises Klingen,
da war ein Rauschen, man wußt’ nicht woher,
als ob man in einem Tannenwald wär,
da huschte vorüber und ging nicht aus
ein heimliches Leuchten von Haus zu Haus.
Der Mond kam über die Dächer gesprungen:
”Wohin noch so spät, ihr kleinen Jungen?
Ihr müßt ja zu Bett, was fällt euch ein?”
und lachte uns an mit vollem Schein.
Da lachten wir wieder: ”Du alter Klöner,
heut abend ist alles anders und schöner.
Und glaubst du’s nicht, kannst mit uns gehen,
da wirst du ein blaues Wunder sehn.”
Da sprang er leuchtend uns voran,
bei diesem Hause hielt er an.
Wir gingen hinein mit froher Begier,
und Klingen und Rauschen und Leuchten ist hier.

*Quelle: zgedichte.de

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Weihnachten

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend,
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend -
Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder.

Aber, Fürst, wenn dir′s begegnet
Und ein Abend so dich segnet,
Daß als Lichter, daß als Flammen
Vor dir glänzten allzusammen
Alles, was du ausgerichtet,
Alle, die sich dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.

A. H. Hoffmann von Fallersleben(1798-1874)
Weihnachten

Zwar ist das Jahr an Festen reich,
Doch ist kein Fest dem Feste gleich,
Worauf wir Kinder Jahr aus Jahr ein
Stets harren in süßer Lust und Pein.

O schöne, herrliche Weihnachtszeit,
Was bringst du Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
Teilt seine lieben Gaben aus.

Und ist das Häuschen noch so klein,
So kommt der heilige Christ hinein,
Und alle sind ihm lieb wie die Seinen,
Die Armen und Reichen, die Großen und Kleinen.

Der heilige Christ an alle denkt,
Ein jedes wird von ihm beschenkt.
Drum lasst uns freu'n und dankbar sein!
Er denkt auch unser, mein und dein.

Otto Julius Bierbaum (1865-1910)
Schneelied zu Weihnachten

Du trittst mich, singt der Schnee,
Mir aber tuts nicht weh:
Ich knirsche nicht, ich singe;
Dein Fuß ist wie der Bogenstrich,
Dass meine Seele klinge.
Hör und verstehe mich -:
Getreten singe ich,
Und nichts als frohe Dinge.
Denn, die getreten sind,
Wissen, es kam ein Kind,
Gar sehr geringe,
In einem Stall zur Welt:
Das hat sein Herz wie ein leuchtendes Licht
In große Finsternis gestellt.

Es wurde zerschlagen. Verloschen ists nicht.

Heinrich Heine (1797-1856)
Die Heil´gen Drei Könige

Die Heil′ gen Drei Könige aus Morgenland,
sie fragten in jedem Städtchen:
"Wo geht der Weg nach Bethlehem,
ihr lieben Buben und Mädchen?"

Die Jungen und Alten, sie wussten′ s nicht,
die Könige zogen weiter;
sie folgten einem goldenen Stern,
der leuchtete lieblich und heiter.

Der Stern blieb stehen über Josephs Haus,
da sind sie hineingegangen;
das Öchslein brüllte, das Kindlein schrie,
die Heil′ gen Drei Könige sangen.