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Wintergedichte neuzeitlicher Autoren

Winterlandschaft mit Zug
Bild: annca / pixabay.com
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Wintergedichte zeitgenössischer Autoren von A - Z

Der erste Schnee
von Raina Jeschke

Der Flockenzähler
von Isabella Kramer

Eistanz
von Petra Friedel

Flöckchenromanze
von Petra Friedel

Frost
von Josef Festing

Gedanken zum Jahreswechsel
von Ruth-Ursula Westerop

Hoffnung
von Josef Festing

Im Winterwald
von Hannelore Furch

Im Winterwald
von Mirko Swatoch

Kühles Weiß
von Petra Friedel

Ofengesang
von Hannelore Furch

Schneesterne
von Ilka Berikhan

Schneezauber
von Ingrid Herta Drewing

Stille Nacht
von Petra Friedel

Winterblütenträume
von Serge D.

Winterlandschaft
von Ingrid Herta Drewing

Winterlied
von Ruth-Ursula Westerop

Wintermorgen
von Raina Jeschke

Wintersonne
von Ilka Berikhan

Wintersweisheit
von Serge D.


Ilka Berikhan
Wintersonne

Seh ich mir die Sonne an,
möcht' ich bitter weinen,
längst im Sterben liegt sie wohl,
möchte nimmer scheinen.

Glimmt nur kränklich vor sich hin
- ihre Schönheit schwindet -
wie ein Greis im Sterbebett,
sich noch leise windet.

Ach, sie gleicht dem Licht in mir,
das vor Lieb einst brannte
und den Winter nimmer sah
und den Frost nicht kannte.

Eisig zieht der Winter hin,
doch ich möchte meinen,
dass die Frühlingssonne einst
bringt mein Licht zum scheinen.

Ilka Berikhan
Schneesterne

Leis fällt herab ein glitzernd Stern,
so weiß, so sacht - ich hab ihn gern.
Noch viele Sterne folgen nach
herab zur Erd - ich liege wach
und lausche still dem Sternenfall.
Die weiße Pracht liegt überall.
Bald deckt sie auch die Bäume zu.
Sie schlafen still in süßer Ruh.

Wenn glitzernd weiß die Erde strahlt,
der Schnee die schönsten Bilder malt,
fällt leis herab ein glitzernd Stern,
so weiß, so sacht - ich hab ihn gern.
Noch viele Sterne folgen nach
herab zur Erd - ich liege wach
und fühle, dass dies Glück der Welt
ganz sanft und leis zur Erde fällt.

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin - zur Internetseite von Ilka Berikhan 

Serge D. 2016
Winterblütenträume

Im Winter, alter Freund, kann nichts erblühen.
Die Wiesen sind verschneit, die Bäume kahl,
die Sonne fern, ihr Licht im Nebel fahl.
Und Kälte herrscht. Holzscheite höchstens glühen

und mögen im Kamin kurz Funken sprühen.
Dem Winter und dem Frost ist das egal.
"Was? Blühen?", grinsen sie. "Das war einmal.
Vergebens, alter Freund, ist dein Bemühen.

Im Frühling konnten Blütenträume reifen.
Da durftest du noch kühn nach Knospen greifen.
Das aber hast du seinerzeit versäumt.

Begnüg dich jetzt – und laß dein Träumen bleiben –
mit Eiskristallen an den Fensterscheiben!
Ein Narr, wer winters noch von Blüten träumt."

Serge D. 2019
Wintersweisheit

Gelassenheit ist eine Winterfrucht.
Sie muß, wie süßer Wein, sehr lange reifen,
sich siebzig Häute erst vom Leibe streifen:
den Ehrgeiz, Schaffensdrang, die Geltungssucht ...

Den Frühlingstrieb muß erst des Sommers Wucht
zu herbstlich heitrer Weltanschauung schleifen;
dann lernt das Herz – vielleicht – den Lauf begreifen
des Jahres und ergibt sich seiner Zucht.

Manch schwer erreichtes, hart erkämpftes Ziel
erscheint im Rückblick nicht mehr wert der Mühe.
Welch böser Gott verweigert uns die frühe
Erkenntnis: es ist alles nur ein Spiel?!

Und eines, dessen Sinn wir nie erfassen.
Der Winter erst macht weise und gelassen.

*mit freundlicher Genehmigung von Serge D.

Ingrid Herta Drewing
Schneezauber

Vom Himmel rieselt sanft der Schnee,
hüllt weiß und weich die Erde ein.
Der Tannenwald, das Schilf am See
im Sternchenkleid erglänzen fein.

So ruhig und still ist alles hier.
Doch ist ein Zauber zart zugegen,
der flüstert: “Freue dich mit mir,
sieh Winters Schönheit auf den Wegen!“

Der Büsche filigrane Äste,
sie wirken in der Glitzerpracht,
als hätt’ zum nahen Weihnachtsfeste
ein himmlisch Wesen sie gemacht.

Wenn dann die Sonne golden strahlt,
und helles Blau den Schnee begrenzt,
erscheint die Welt mir, wie gemalt,
ein Bild, das friedlich hell erglänzt.

Ingrid Herta Drewing
Winterlandschaft

Fast lautlos rieselt unaufhörlich Schnee,
als habe wer die Klänge hier verbannt.
Kein Wasservogel watschelt mehr am See,
amphibisch zieht der Winter über Land.

Sogar des Baches helles Gluckern fehlt,
erstarrt, am Wasserfall von Eis verhangen.
Nur tief in seinem Bett er fließt, verhehlt,
dass ihn der Frost hält grimmig, fest gefangen.

Auch in den kahlen Wipfeln, wo die Meisen
noch unlängst munter probten Frühlings-Singen,
da sitzen stoisch Krähen, zwei, ganz leise,
im schwarzen Frack, gefaltet ihre Schwingen.

Die Landschaft liegt und ruht in weißer Stille,
bis sie erneut erwacht zu grüner Fülle.

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin - zur Autorenseite von Ingrid Herta Drewing


Josef Festing
Frost

Draußen ist es bitterkalt,
der Frost zieht ein in jeden Spalt.
Fahl erscheint das Tageslicht,
dünn ist noch des Eises Schicht
auf dem Schilf umringten Teich,
alles wirkt nun kahl und bleich.
Erstarrt vor Kälte ist der Baum,
versetzt in einen tiefen Traum.
Kristalle glitzern auf dem Feld,
wenn Mondlicht auf die Erde fällt.
Eisig weht der Wind von Ost
und überzieht das Land mit Frost.
Kälte, Stille, Dunkelheit
sind Zeichen dieser Jahreszeit.
Doch Frost beherrscht nur die Natur,
davon im Herzen keine Spur.
Wärme, Freude und auch Licht,
Weihnachten uns dies verspricht.

Josef Festing
Hoffnung

Kalt und leblos wirkt die Welt.
Getaucht in fahles Licht,
zeigt sie in Wald und Feld
ein trauriges Gesicht.
Der Wind fegt durch die Zweige,
die Bäume stehen kahl,
voll Trauer scheint die Weide
und Nebel zieht ins Tal.
Hoch auf den kargen Höhen
liegt bleich der erste Schnee,
verweht von Sturm und Böen,
gefroren ist der See.
Die Welt ist grau und öde
als hätt‘ sie nie gelebt,
hätt‘ weder Wuchs und Blüte
noch Wärme je erlebt.
Und wenn auch deine Seele
des Winters Kälte spürt,
vor Traurigkeit und Leere
kein Trost dein Herz berührt,
dann sieh‘ den zarten Sprössling,
der aus der Erde bricht.
Es kommt einmal der Frühling,
mit ihm das Sonnenlicht!

*mit freundlicher Genehmigung des Autoren - zur Autorenseite von Josef Festing


Eingeschneite Dächer
DarkWorkX / pixabay.com

Petra Friedel
Eistanz

Seit Tagen hat es schon gefroren,
leis´ schleicht die Dämmerung ums Haus.
Ich ahn´, heut gibt es kalte Ohren
und trotzdem zieht es mich hinaus!

Von ferne hör ich Menschen lachen,
die Nase schnuppert Glühweinduft.
Ich muss hinaus, ist nichts zu machen,
denn auch Musik liegt in der Luft!

Aus engen Häusern, stillen Gassen,
zieht es die Menschen, Groß und Klein,
zum See. Es sind so viele Massen,
dass bald ich hoff` es bricht nicht ein

das Eis, auf dem die Kufen fliegen,
auch manchmal aneinanderprallen.
Sich Fremde in den Armen liegen
um schließlich lachend umzufallen-

dass jene, die am Rande stehen,
sich stillvergnügt am Glühwein laben,
die kamen um nur zuzusehen,
auch ihre kleine Freude haben.

Und über all dem bunten Treiben
thront still das Schloß im Flutlichtglanz.
Verzeiht, ich kann jetzt nicht mehr bleiben,
es geht aufs Eis, zum Schlittschuhtanz!

Petra Friedel
Flöckchenromanze

Sind deine Tage eisigkalt,
die Wiesen stumm, es ächzt der Wald
und klagt dir vom Vergehen?
Auf allen Wegen modert matt,
was einst das Jahr gegeben hat
und raue Winde wehen?

Dann, Liebster, komm mit mir aufs Feld,
was dort zur Erde niederfällt
soll heute uns beglücken.
So luftig-weiß, so watteweich,
macht es die Herzen warm sogleich,
ich will dir davon pflücken:

Das Flöckchen namens Zärtlichkeit,
der Sanftmut, der Geborgenheit,
das neckt und weckt die Triebe.
Noch Leidenschaft und Übermut,
das tut dem schlimmsten Griesgram gut.
Und tausend Flöckchen Liebe!

*mit freundlicher Genehmigune der Autorin - Anfragen leite ich gerne weiter!

Hannelore Furch
Ofengesang

Ein Schneesturm packte Zaun und Tor
und klopfte, wild im Treiben,
an Tür und Fensterscheiben
und stellte sich als Kobold vor.

Es war für mich die rechte Zeit,
auf meines Sinnes Gleisen
die Welten zu bereisen
beim Lesen in Bequemlichkeit.

Ich ließ mich auf Geschichten ein,
in denen Winde brausten
und Ungeheuer hausten.
Es glitt der helle Feuerschein

des Ofens in die Reiserout',
er selbst begann zu singen
und bollernd zu erklingen
und spann ein Seemannsgarn aus Glut.

Hannelore Furch
Im Winterwald

Der schöne Winterwald
lag still verschneit und kalt,
ein Trommeln Specht zu Specht
erklang als Scheingefecht.

Ich lauschte tief entzückt
und ganz der Welt entrückt,
es hat mein Hund geknurrt,
mich schließlich fortgezurrt.

Daheim klang's wie zuvor,
mir wohnten noch im Ohr
zum süßen Lustgewinn
die Musikanten drin

und schonten jetzt den Hund,
der lag versöhnt und rund
im Korb und träumte mild
sein eig'nes Winterbild.

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin - zur Autorenseite von Hannelore Furch

Raina Jeschke
Der erste Schnee

Glitzernd hell wie Diamanten
sinkt der Schnee vom Himmelszelt.
Hüllt ein Straßen und Passanten,
weiß und sauber wird die Welt.

Droben in den hohen Bäumen,
klagt der Krähen große Schar,
können davon nur noch träumen,
wie im Sommer es hier war.

Doch die Kinder auf den Straßen,
freut die helle, weiße Pracht.
Einmal müssen sie noch schlafen,
dann hinaus mit aller Macht.

Schneemann bauen, Schlitten fahren
und auch eine Schneeballschlacht.
Hängt der Schnee auch in den Haaren:
Allen hat es Spaß gemacht.

Raina Jeschke
Wintermorgen

Auf einstmals grünen Zweigen
glänzt silberhell der Reif,
vom strengen Frost gefangen,
tief in des Winters Reich.

Hell färbt sich schon der Himmel,
es lockt der Sonne Strahl,
doch durch die Nebelbänke
fällt Licht nur, grau und fahl.

Ganz langsam wird es heller,
ein neuer Tag beginnt,
die Nacht mit ihrem Dunkel,
im Morgenlicht zerrinnt.

Es strahlt wie Diamanten,
die weiße Winterpracht
und fern sind die Gedanken,
aus dunkler, kalter Nacht.

*mit freundlicher Genehmigung der Autorin - weitere Gedichte von Raina Jeschke finden sich in dieser Gedichtebibliothek

Isabella Kramer
Der Flockenzähler

Da saß er nun und jammerte
und zeterte ganz kläglich,
der Job war so schon mies genug,
doch das war unerträglich.

Es wirbelte und stöberte
seit endlos langen Wochen.
Im Ostwind nahen neue Tiefs,
er spürt es in den Knochen.

Viermal schon hat er sich verzählt,
allein an diesem Morgen.
Fünftausend-sechs und achtmal Zehn…
Er stöhnt vor lauter Sorgen.

So kann es nicht mehr weiter geh´n,
er fühlt sich ganz verdreht.
Schon wieder fehlen sechs hoch drei,
die hat der Wind verweht.

Dabei muss es doch stimmen hier,
sonst gibt es Konfusionen.
Frau Holle ist da sehr genau,
das Schütteln muss sich lohnen.

Erst wenn das Sollmaß ist erfüllt,
dann kann der Frühling kommen.
Der Zähler kneift die Äuglein zu,
sieht nur noch ganz verschwommen.

Die Liste ist schon meterlang;
da hört er leises Singen.
Ganz fern, ganz zart und doch ist´s da.
So kann nur Frühling klingen!

Erleichtert schließt er sein Büro,
hoch oben in den Buchen.
Er fliegt ins warme Irgendwo,
du brauchst ihn nicht zu suchen.

-

Illustration Flockenzähler
Illustration "Der Flockenzähler": Dolores Werner
*mit freundlicher Genehmigung der Autorin - zur Autorenseite von Isabella Kramer

Ruth-Ursula Westerop
Winterlied

Die Insel scheint zu schlafen,
sie ruht sich richtig aus.
Die Bäuerin mit ihren Schafen
zieht schon am Nachmittag nach Haus.

Verlassen die Boote im Hafen,
kein Schwimmer auf dem Meer.
Wo sich die Gäste trafen,
ist alles öd und leer.

Es krachen hohe Wellen
auf Felsen und Gestein
und an manchen Stellen,
kann es recht stürmisch sein.

Der Sturm fegt durch die Ritzen,
es knistert im Kamin
und über den Tannenspitzen
sieht man den Mond aufziehn.

Blumen blühn auf den Feldern,
es sieht nach Frühling aus.
Der Winter hier auf der Insel
macht mir partout nichts aus.

Ruth-Ursula Westerop
Gedanken zum Jahreswechsel

Wie geht es uns? Sind wir gesund?
Gibt’s zur Verzweiflung einen Grund?
Besitzen wir was uns gehört?
Hat nichts und niemand das zerstört,
was wir uns selber aufgebaut?

Ist unser Tisch noch reich gedeckt?
Hat keine Bombe uns erschreckt?
Sind Durst und Hunger unbekannt?
Leben wir im freien Land
und sind behütet durch den Frieden?

Gibt’s Tage, da man richtig lacht?
Schlafen wir ruhig in der Nacht?
Sind Tränen eine Seltenheit?
Ist nichts geschehn in letzter Zeit,
was unser Leben ruiniert?

Wenn es dem nächsten Jahr gelingt,
dass es uns diesen Wohlstand bringt,
dann hat das Jahr uns reich beschenkt.
Wer trotzdem dann ans Jammern denkt,
der hat das alles nicht verdient.

 

*mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber - weitere Gedichte von Ruth-Ursula Westerop auf ihrer Autorenseite

Petra Friedel
Kühles Weiß

Hinaus! Es zieht mich ins verschneite Land!
Die Mittagssonne zaubert Diamanten-
und die Gedanken, die noch eben brannten,
sind fort. Mit fester, unterkühlter Hand

bewies der Winter mir sein gutes Herz;
ist wieder, fleißig mit dem Funkelbesen,
so wie in jedem Jahr mir Freund gewesen.
Und nur ein kleiner, unstillbarer Schmerz

wird mich am Abend noch nach Haus begleiten,
wird manches Mal noch Trauer mir bereiten.
Dann nimm mich, Winter, wieder bei der Hand

und lass mich deine weiße Güte fühlen!
Nein, nicht erstarren will ich, nur ein wenig kühlen.
Sie sollten einig sein, das Herz und der Verstand.

Petra Friedel
Stille Nacht

So stumm der Wald, so grau der Blick:
kein Rechts und Links; kein Vor, Zurück -
ein milchgetöntes Leer im Bann.
Doch still: im dichten, dunklen Tann,

ein Knacken! Rascheln! Regt sich leis,
was nichts von Licht und Wärme weiß?
Was, traumlos noch, in Schleiern liegt,
sich unbedarft in Schößen wiegt?

Um bald, aus tiefster, dunkler Nacht,
zu einem Feuerwerk entfacht,
hinauszustreben, neu zu weben?
Oh wundersames, schönes Leben!

*mit freundlicher Genehmigune der Autorin - Anfragen leite ich gerne weiter!

Winterabend Sonnenuntergang
Bild: grootslag / pixabay.com

Mirko Swatoch
Im Winterwald

Nackt stehn im Winterwald
die Tannen dicht an dicht.
Es ist so furchtbar kalt,
doch schneien tut es nicht.

Die warmen Mäntel hängen
hoch oben in der Luft.
Sie tragen Schnee in Mengen,
den keiner runterruft.

Auch fehlt ein warmer Hut
auf ihren schlanken Spitzen,
der hübsch auf ihnen ruht
und Sternen gleich darf blitzen.

Ob es wohl helfen mag,
wenn wir den Winter loben?
Dann fällt am selben Tag
der Schnee ganz sacht von oben.