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Schöne Klassische Weihnachtsgedichte

Gedichte zur Advents- und Weihnachtszeit klassischer Autoren

Weihnachtlandschaft - beleuchtete Holzhäuser
Bild: Bild: vilkasss / pixabay.com

Dies ist die Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit;
Das Kind, dem alle Engel dienen, bringt Licht in meine Dunkelheit,
und dieses Welt- und Himmelslicht
weicht hunderttausende Sonnen nicht.

Kaspar Friedrich Nachtenhöfer (1624 - 1685)
Quelle: aporismen.de


Weihnachtsgedichte klassischer Autoren von A - Z

Advent
Eva von Tiele Winckler

Advent
Ernst Wiechert

Advent
Alfred Karl Röttger

Am heiligen Abend
Moritz Gottlieb Saphir

Christkind im Walde
Ernst von Wildenbruch

Christkinds getreuer Knecht
Emil Weber

Christnacht
Emis Peschkau 

Das Weihnachtsbäumlein
Christian Morgenstern

Der kleine Nimmersatt
Heinrich Seidel

Der Weihnachtsbaum
Heinrich Seidel

Der Weihnachtsbaum
Robert Reinick

Die Tage sind so dunkel
Max von Schenkendorf

 

Ein Tännlein aus dem Walde
Albert Sergel

Freundliche Mahnung
Julius Sturm

Groß-Stadt-Weihnachten
Kurt Tucholsky

Heilige Nacht
Leon Vandersee

Vor Weihnachten
Albert Sergel

Vorfreude auf Weihnachten
Joachim Ringelnatz

Weihnacht
Anna Ritter

Weihnacht
Julius Sturm

Weihnachten
Erich Mühsam

Weihnachten
Kurt Tucholsky

Weihnachtsabend
Theodor Storm

Weihnachtsabend
Sigmund Schott

Weihnachtsfülle
Gustav Schüler

Weihnachtsglocken
Karl Stieler

Weihnachtsglocken
Johann Nepumuk Vogl

Weihnachtslied
Theodor Storm

Weihnachtslied
Julius Sturm

Weihnachtslied
Marx Möller

Weihnachtslied
Johannes Trojan

Weihnachtslied
Ernst Rauscher von Stainberg

Weihnachtszeit
Friedrich Stolze

Wer tut´s?
Johannes Trojan

 

 


Theodor Storm (1817-1888)
Weihnachtsabend

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war’s, durch alle Gassen scholl
der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fort gespült,
drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
"Kauft, lieber Herr!" Ein magres Händchen hielt
feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
wes Alters und Geschlecht es mochte sein,
erkannt’ ich im Vorübertreiben nicht.

Nur vor dem Treppenstein, darauf es saß,
noch immer hört’ ich, mühsam, wie es schien:
"Kauft, lieber Herr!" den Ruf ohn’ Unterlass;
doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? War’s Ungeschick, war es die Scham,
am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh’ meine Hand zu meiner Börse kam,
verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
erfasste mich die Angst im Herzen so,
als säß’ mein eigen Kind auf jenem Stein
und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

*Quelle: weihnachtsgedichte.de

Moritz Gottlieb Saphir (1795-1858)
Am Heiligen Abend

Der Tag verschließt
die reiche Farbenquelle
und Dämmerung macht dem Heiligen Abend Raum.
Ein milder Streif
aus rosenroter Helle
fasst fern die Berge ein
in purpur Saum.
Die Nacht,
sie breitet ihren weichen Schleier
rings um die Erd,
wie um ein schlafend Kind.
Und wie ein Priester geht
zu hoher Tempelfeier
so schreitet still der Mond
durch Nacht und Wind.
Auf Erden auch
da glühen tausend Herzen
und bunte Lichter brennen überall.
Und Liebe strömet aus den offenen Herzen,
vergessen ist des Lebens Kampf und Qual.
Vergessen sind die Tränen grauer Stunden,
vergessen Krankheit, Sorge bittere Not.
Das Kind des Himmels
hat den Weg zu uns gefunden
und mit ihm kam
das neue Morgenrot.
Geh nie von uns
und mach uns stark für alles.
Für alles,
ob in Krankheit, Leid und Schmerz.
Mög uns das Kind des Himmels
Frieden schenken
und trösten
manch gequältes Menschenherz.

Kurt Tucholsky (1890 - 1935)
Groß-Stadt-Weihnachten

Nun senkt sich wieder auf die heim’schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.

Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glase.

Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn.

Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
“Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!”

Und frohgelaunt spricht er vom ‘Weihnachtswetter’,
mag es nun regnen oder mag es schnein.
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.

So trifft denn nur auf eitel Gück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden…
“Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug.”

*Quelle: https://tucholsky.de/gedichte/

Heinrich Seidel (1842-1906)
Der Weihnachtsbaum

Schön ist im Frühling die blühende Linde,
bienendurchsummt und rauschend im Winde,
hold von lieblichen Düften umweht.

Schön ist im Sommer die ragende Eiche,
die riesenhafte, titanengleiche,
die da in Wettern und Stürmen besteht.

Schön ist im Herbste des Apfelbaums Krone,
die sich dem fleißigen Pfleger zum Lohne
beugt von goldener Früchte Pracht.

Aber noch schöner weiß ich ein Bäumchen,
das gar so lieblich ins ärmlichste Räumchen
strahlt in der eisigen Winternacht.
Keiner kann mir ein schöneres zeigen:
Lichter blinken in seinen Zweigen,
goldene Äpfel in seinem Geist,
und mit schimmernden Sternen und Kränzen
sieht man ihn leuchten, sieht man ihn glänzen
anmutsvoll zum lieblichsten Fest.

Von seinen Zweigen ein träumerisch Düften
weihrauchwolkig weht in den Lüften,
füllet mit süßer Ahnung den Raum!

Dieser will uns am besten gefallen,
ihn verehren wir jauchzend vor allen,
ihn, den herrlichen Weihnachtsbaum!

Karl Stieler (1842 - 1885)
Weihnachtsglocken

O Winterwaldnacht, stumm und her,
mit deinen eisumglänzten Zweigen,
lautlos und pfadlos, schneelastschwer,-
wie ist das groß, dein stolzes Schweigen!

Es blinkt der Vollmond klar und kalt;
in tausend funkelharten Ketten
sind festgeschmiedet Berg und Wald,
nichts kann von diesem Baum erretten.

Der Vogel fällt, das Wild bricht ein,
der Quell erstarrt, die Fichten beben;
so ringt den großen Kampf ums Sein
ein tausendfaches banges Leben.

Doch in den Dörfern traut und sacht,
da läuten heut` zur Welt hinieden
die Weihnachtsglocken durch die Nacht
ihr Wunderlied - vom ew`gen Frieden.

Ernst von Wildenbruch (1845 - 1909)
Christkind im Walde

Christkind kam in den Winterwald,
der Schnee war weiß, der Schnee war kalt.
Doch als das heil’ge Kind erschien,
fing’s an, im Winterwald zu blühn.

Christkindlein trat zum Apfelbaum,
erweckt ihn aus dem Wintertraum.
„Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart,
schenk Äpfel mir von aller Art!“

Der Apfelbaum, er rüttelt sich,
der Apfelbaum, er schüttelt sich.
Da regnet’s Äpfel ringsumher;
Christkindlein’s Taschen wurden schwer.

Die süßen Früchte alle nahm’s,
und so zu den Menschen kam’s.
Nun, holde Mäulchen, kommt, verzehrt,
was euch Christkindlein hat beschert!

Emil Weber (1877-1944)
Christkinds getreuer Knecht

Von grünen Tannen rings umstellt,
liegt still ein Haus am End der Welt.
Dort wohnt und haust auf seiner Art,
ein alter Mann mit langem Bart.

Wenn’s Winter wird, dann gibt’s zu tun,
nicht mal am Abend kann er ruhn.
Und wenn’s die ersten Flocken schneit,
dann schmunzelt er:“ Bald ist’s so weit!“

Und eines Abends schwebt ganz sacht,
ein Englein nieder durch die Nacht.
Es schwebt umglänzt vom goldnen Schein
aufs Häuschen zu und geht hinein.

"He, Alter“, ruft es,“ sei bereit,
Dezember ist´s und Weihnachtszeit.“
Der Alte streicht den langen Bart
und spricht, "Ich bin bereit zur Fahrt“

„Längst fertig sind die Sachen all,
der Esel wartet schon im Stall.“
Der große, graue, dick vom ruh’n,
bekommt nun tüchtig was zu tun.

Drei Säcke voll, bis zum Rand,
so geht’s hinab zum Menschenland.
Tag drauf klopfts bei euch an,
Ihr kriegt ’nen Schreck - der Weihnachtsmann.

Leon Vandersee (? - 1907)
Heilige Nacht

Wieder flammen durch die Nacht
helle Christbaumkerzen,
und ein Kinderheimweh zieht
in die Menschenherzen.

Alte, liebe, fromme Lieder
klingen nah und weit,
leise rauschen Engelsschwingen -
o du selige Zeit!

Wenn die Liebesrosen blühn
an den grünen Zweigen,
kommt Erinnrung heimlich sacht
auf beschneiten Steigen.

Bringt verlorner Kinderträume
fernes Licht zurück,
sehnsuchtsbangen, müden Seelen,
einen Strahl vom Glück.

Christnachtwunder! Duft und Glanz
säumt der Menschheit Pfade:
Sei gegrüßt, du heilige Nacht,
Weihnacht, Fest der Gnade!

*Leon Vandersee ist das Pseudonym
von Helene von Tiedemann

Friedrich Stolze (1816-1891)
Weihnachtszeit

Und zögst du tausend Meilen weit
In alle Welt hinaus,
Und kommt die liebe Weihnachtszeit,
Du wollt‘st, du wärst zu Haus!
Die Nachtigall, so süß sie singt,
Weckt Sehnsucht nicht so sehr,
Als wenn das Weihnachtsglöckchen klingt,
Von deiner Heimat her.

Da fällt dir mit dem Tannenbaum
Und mit dem Lichterschein,
Der ganze schöne, goldne Traum
Von deiner Kindheit ein.
Es wird dir so erinnrungsmild,
Die Tränen kommen schier,
Und manches liebe Menschenbild
Tritt vor die Seele dir.

Und mancher, der dir teuer war,
Und Gutes dir erzeigt,
der schläft nun auch schon manches Jahr -
Die Erde sei ihm leicht!
Und wem du in der Heimat bist
In Liebe zugetan,
Dem stecktest du zum heil‘gen Christ
gern auch ein Lämpchen an.

Und bist geschieden du im Groll,
Heut‘ tut dir‘s doppelt leid.
Und denkst nach Haus wohl wehmutsvoll,
das macht die Weihnachtszeit!
Denn bittrer ist die Fremde nicht
Als in der Weihnachtslust,
Wo du, ein unbekannt Gesicht,
Bei Seite treten musst.

Drum zögst du tausend Meilen weit
In alle Welt hinaus,
Und kommt die liebe Weihnachtszeit
du wollt‘st du wärst zu Haus!
Die Nachtigall, so süß sie singt,
Weckt Sehnsucht nicht so sehr
Als wenn das Weihnachtsglöckchen klingt
Von deiner Heimat her.

Marx Möller (1868-1921)
Weihnachtslied

Die Winde brausen und tosen
über Heide und See;
im Garten die Christrosen
blühn heimlich unter dem Schnee;

heimlich, wie in den Bäumen
es leise treibt und drängt;
heimlich wie süßes Träumen,
das dämmernd den Sinn umfängt,

wenn aus der Luft, der klaren,
Weihnachtsgeläute schwebt,
als hätten vor vielen Jahren
schon einmal wir gelebt, -

als hätte unsre Lippe
schon damals das alte Lied
gesungen, als vor der Krippe
wir weinend niedergekniet; -

als hätten wir selber gesehen
des Sternes leuchtendes Licht
über der Hütte stehen, -
und Mariens reines Gesicht, -

und die Strahlen, welche flirrten
um des Kindes blondlockiges Haar, -
und die Könige und die Hirten -
und der Engel jauchzende Schar.

Theodor Storm (1817-1888)
Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
Ein milder Stern herniederlacht;
Vom Tannenwalde steigen Düfte
Und hauchen durch die Winterlüfte,
Und kerzenhelle wird die Nacht. 

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
Mich lieblich heimatlich verlocken
In märchenstiller Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
Anbetend, staunend muß ich stehn;
Es sinkt auf meine Augenlider
Ein goldner Kindertraum hernieder,
Ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.

Christian Morgenstern (1871-1914)
Das Weihnachtsbäumlein

Es war einmal ein Tännelein
mit braunen Kuchenherzlein
und Glitzergold und Äpflein fein
und vielen bunten Kerzlein:
Das war am Weihnachtsfest so grün
als fing es eben an zu blühn.
Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
da stands im Garten unten,
und seine ganze Herrlichkeit
war, ach, dahingeschwunden.
Die grünen Nadeln war'n verdorrt,
die Herzlein und die Kerzlein fort.
Bis eines Tags der Gärtner kam,
den fror zu Haus im Dunkeln,
und es in seinen Ofen nahm -
Hei! Tat`s da sprühn und funkeln!
Und flammte jubelnd himmelwärts
in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

Johannes Trojan (1837-1915)
Weihnachtslied

Lieblich wieder durch die Welt
geht die holde Kunde,
die den Hirten auf dem Feld
klang aus Engelsmunde.

Was den Hirten wurde kund,
blieb uns unverloren:
wieder kündet Engelsmund,
dass uns Christ geboren.

Welch ein Glanz durchbricht die Nacht
in des Winters Mitte!
Welche Freude wird gebracht
in die ärmste Hütte!

Winters Nacht und Sorge weicht
hellen Jubel wieder,
und der Himmel wieder steigt
auf die Erde nieder.

Wenn die goldnen Sterne glüh'n
in des Himmels Ferne,
leuchten aus dem Tannengrün
auch viele goldne Sterne.

Haus an Haus mit hellem Schein
flammen auf die Kerzen,
durch die Augen fällt hinein
Licht auch in die Herzen.

Sei willkommen, Weihnachtslust,
kling empor im Liede!
Freude wohn in Menschenbrust,
auf der Erde Friede!

Ernst Rauscher von Stainberg (1834-1919)
Weihnachtslied

Mir klingt ein Lied in Ohren
aus uralt heil’ger Nacht:
Ein Kindlein ward geboren,
das hat uns Heil gebracht!

Trüb durch den Nebel flimmern
die Sterne allzumal –
doch hell und heller schimmern
die Lichter drin im Saal.

Da quillt und wogt entgegen –
wenn silbern die Glocke ruft –
wie aus des Wald’s Gehegen
lebendig warmer Duft.

Da grünt zu holdem Troste
des Lebens Unterpfand –
ob auch im Todesfroste
erstarrt das ganze Land.

Da wandelt ein Beglücken
von Hand zu Hand, da sprüht
ein strahlendes Entzücken
im Auge und Gemüt!

Ja! dem Beglückungstriebe,
o schöne Weihnachtszeit,
hat dich die ew’ge Liebe
zu allererst geweiht!

Mir klingt ein Lied in Ohren
uralter Zaubermacht:
Es ward das Licht geboren!
Es schwand die längste Nacht!

Albert Sergel (1876-1946)
Ein Tännlein aus dem Walde

Ein Tännlein aus dem Walde,
und sei es noch so klein,
mit seinen grünen Zweigen
soll unsre Freude sein!

Es stand in Schnee und Eise
in klarer Wintersluft;
nun bringt's in unsre Stuben
den frischen Waldesduft.

Wir wollen schön es schmücken
mit Stern und Flittergold,
mit Äpfeln und mit Nüssen
und Lichtlein wunderhold.

Und sinkt die Weihnacht nieder,
dann gibt es lichten Schein,
das leuchtet Alt und Jungen
ins Herz hinein.

Anna Ritter (1865-1921)
Weihnacht

Wie am Baum die Lichter prangen –
schöner war das Christfest nie!
Heiß erglüh'n der Kinder Wangen,
und ihr Mund singt unbewusst
mitten in der Weihnachtslust
eine süße Melodie,
wie sie schon der Ahn gesungen,
als er selbst im Lockenhaar
um den Lichterbaum gesprungen.

Leise schwindet Jahr für Jahr ...
Schaukelpferd und Hampelmann
wandelt die Zerstörung an,
und das Bilderbuch, das heute
euer Kinderherz erfreute,
wird dereinst zerrissen sein.
Aus der Schar der kleinen Leute
werden Männer, werden Frauen,
die ihr eignes Nestchen bauen.

Gestern wird, was heute war,
aber bleiben immerdar
wird der Christnacht heller Schein,
wird der Klang der Weihnachtsglocken,
Kinderjubel und Frohlocken!

Johannes Trojan (1837-1915)
Wer tut´s?

Die Bäume fangen an zu wandern.
Das muss wohl Weihnachtszauber sein!
Ein Tannenbäumchen nach dem andern
kam in das große Haus hinein.

Das hab ich staunend wahrgenommen
und hab die Bäumchen all gezählt.
Ich weiß, wie viel ins Haus gekommen
und weiß, dass jetzt noch eines fehlt.

Ja, dieses eine fehlt noch heute,
obgleich das Fest schon gar so nah.
Ich glaub, hoch unterm Dach die Leute,
für die ist noch kein Bäumchen da.

Doch auf dem Markte steht noch eines –
ich sah es im Vorübergehn –
ein Tannenbäumchen, nur ein kleines,
doch gar nicht übel anzusehn.

Es kann nicht von der Stelle rücken
und käme gern doch an den Mann.
Wollt einer kaufen es und schmücken,
dem sagt ich, wer es brauchen kann!

Und käm es dann zum ärmsten Manne,
wie viele Freude rief es wach!
Wer kauft und schmückt die kleine Tanne
und trägt hinauf sie unters Dach?

 

Kurt Tucholsky (1890-1935)
Weihnachten

So steh ich nun vor deutschen Trümmern
und sing mir still mein Weihnachtslied.
Ich brauch mich nicht mehr drum zu kümmern,
was weit in aller Welt geschieht.
Die ist den andern. Uns die Klage.
Ich summe leis, ich merk es kaum,
die Weise meiner Jugendtage:
O Tannebaum!

Wenn ich so der Knecht Ruprecht wäre
und käm in dies Brimborium
– bei Deutschen fruchtet keine Lehre –
weiß Gott! ich kehrte wieder um.
Das letzte Brotkorn geht zur Neige.
Die Gasse gröhlt. Sie schlagen Schaum.
Ich hing sie gern in deine Zweige,
o Tannebaum!

Ich starre in die Knisterkerzen:
Wer ist an all dem Jammer schuld?
Wer warf uns so in Blut und Schmerzen?
uns Deutsche mit der Lammsgeduld?
Die leiden nicht. Die warten bieder.
Ich träume meinen alten Traum:
Schlag, Volk, den Kastendünkel nieder!
Glaub diesen Burschen nie, nie wieder!
Dann sing du frei die Weihnachtslieder:
O Tannebaum! O Tannebaum!

Johann Nepomuk Vogl (1802-1866)
Weihnachtsglocken

Hörst du, wie die Glocken klingen?
Hörst du rings der Lieder Pracht?
Wieder kommt auf Engels Schwingen
ernst und still die „Heilge Nacht“.

Auf die frosterstarrten Wälder,
auf der Heide ödes Grab,
auf die Städte, auf die Felder
sinkt es wie ein Lenz herab.

Denn die Liebe ward geboren,
um zu sühnen jede Schuld;
alle, selbst die sie verloren,
nimmt sie auf mit gleicher Huld.

Komm o komm zu uns hernieder,
lang erwartet Gotteskind!
Gib uns Mut und Tröstung wieder,
die uns lang entschwunden sind.


*Quelle: www.mumag.de/gedichte

Robert Reinick (1805-1852)
Der Weihnachtsbaum

Juchheissassa, Juchheissa!
Wir bringen ihn gebracht
Den Christbaum, den Tannenbaum
Der Alles lustig macht! –

Du armer, armer Tannenbaum,
Wie war dir draußen weh!
Du strecktest deine Arme aus
Und trugst doch nichts als Schnee! –

So sag‘ uns doch, du schmucker Baum.
Was wirst du morgen tragen! –
Hoho! so darf man Narren wohl,
Doch keinen Christbaum fragen. –

Juchheissassa, Juchheissa!
Wie ist der Schnee so weiß,
Wie grün ist doch der Tannenbaum!
Der weiß schon, was er weiß!

-
*Quelle: https://gedichte.xbib.de/

Ernst Wiechert (1887-1950)
Advent

Ins frühe Dunkel sinken nun die Tage,
die toten Städte fallen in die Nacht,
und Kinder siehst du an den Trümmern kauern,
und kranke Tiere an geborstnen Mauern,
und niemand noch hat ihnen Brot gebracht.

Und doch siehst manchmal du ein Licht erstrahlen,
ganz weit, wie aus zersprungnem Kirchentor,
und ferne Orgeln hörst wie Sturm du dröhnen,
und Gläubige, die aus der Tiefe stöhnen,
und dann erstirbt's wie ein verschollner Chor.

Und manchmal siehst du auf verschneiten Feldern
der Engel Silberfüße vor dir gehn,
und siehst ein Licht vor ihren weißen Flügeln,
und siehst es löschen hinter dunklen Hügeln,
und ist doch immer, immer noch zu sehn.

Dann stehst du still, im Herzen tief erschrocken,
wie du als Kind erschrakst beim Sakrament,
und aus dem Dunkel deiner Erdenzeiten
fühlst kindlich du dich deine Hände breiten
nach Licht und Stern und heiligem Advent.

Sigmund Schott (1818-1895)
Weihnachtsabend

Neblig sinkt der Abend nieder.
Auf dem Kirchhof hin und wieder
Irr' ich, wie unruhig Laub,
Fragend bei so manchem Hügel,
Ob der Seele wuchsen Flügel,
Ob sie drunten liegt als Staub.

Ein paar Lichtlein seh' ich scheinen:
Auf dem Grabe ihres Kleinen
Hat den grünen Weihnachtbaum
Eine Mutter dort gegründet
Und die Kerzchen angezündet,
Träumt ihn nach, den süßen Traum.

Still, o still, sie nicht zu stören!
Jene Hauche mag sie hören,
Die, unmerkbar dem Verstand,
Plötzlich durch der Seele Saiten,
Tönend Licht von oben, gleiten,
Leuchtend in ein fremdes Land.

Julius Sturm 1816 - 1896
Freundliche Mahnung

Die Vöglein hocken auf dem Ast
So traurig;
Sie zwitschern leis‘, doch ohne Rast;
„Wie schaurig!
O Winterzeit, o bittres Weh!
Nur scharfer Wind und Frost und Schnee,
Und ach! kein Körnlein Futter!“

Der Arme seufzt im Kämmerlein
Am Morgen:
„Nun häufen sich tagaus und ein
Die Sorgen!
O Winterzeit, o bittres Leid!
Kein Spänlein Holz, kein warmes Kleid
Und ach! das Brot so teuer!“

Da jubeln Kinderstimmen hell:
„Frohlocken!
Wie tanzen in dem Wind so schnell
Die Flocken!
Frau Holle schüttelt Flaum auf Flaum;
Bald wird der grüne Tannenbaum
In Gold und Licht uns glänzen.“

O fasse Mut, du armer Mann,
Zu dienen.
Ist er, der helfen will und kann,
Erschienen.
Er lässt zu seines Vaters Ruhm
Der Liebe Evangelium
Der ganzen Welt verkünden.

Und ihr, die reichlich Gott bedacht
Mit Gütern,
Vergesst nicht, dass er uns gemacht
Zu Brüdern!
O gebt der heil’gen Liebe Raum,
Dass heller als der Weihnachtsbaum
Ihr Licht in euch erglänze.

Gedenkt in dieser Freudenzeit
Der Armen,
Und übt in Lieb‘ und Freundlichkeit
Erbarmen,
Dass auch in Hütten nah und fern
Von alt und jung zum Preis des Herrn
Der Freude Lied ertöne.

Julius Sturm 1816 - 1896
Weihnacht

Es sangen himmlische Heere
In heilig stiller Nacht:
Gott in der Höh‘ sei Ehre,
Sei Lob und Ehr‘ gebracht.

Und Friede sei mit allen
Auf Erden weit und breit,
Der Mensch ein Wohlgefallen
Dem Herrn der Herrlichkeit,

So klang es über der Erde
In der geweihten Nacht,
Wo bei der schlafenden Herde
Die frommen Hirten gewacht.

Das Lied aus Engelmunde
Erklungen vom Himmelszelt,
Es klingt bis diese Stunde
Noch durch die weite Welt.

Der Heiland ward geboren,
Des‘ freue sich groß und klein,
Wir waren alle verloren
Und sollen nun selig sein.

Julius Sturm 1816 - 1896
Weihnachtslied

Sel’ge Stunde,
Frohe Kunde,
Die Gott aller Welt gebracht!
Süßes Klingen,
Engel singen
Feiernd‘ durch die heil’ge Nacht.

Aus der Ferne
Winken Sterne
Uns nach Bethlehem hinab;
Lasst und sehen,
Was geschehen,
Gürtet euch und greift zum Stab!

Eingetreten
Lasst uns beten,
Wo mit Gnade Gott uns krönt
In dem Einen
Einzig Reinen,
Der die Welt mit ihm versöhnt.

Gustav Schüler 1868 - 1938
Weihnachtsfülle

Freude schlägt die breiten Brücken,
Kinderaugen sind voll Licht.
Wie sich innigstes Entzücken
Hin durch alle Fernen flicht!

Alle Häuser tönen wieder,
Alle Hütten mühn sich mit,
Funkelgoldige Weihnachtslieder
Blühn und ziehn auf Schritt und Tritt.

Lichtbeschüttet sind die Bäume,
Flittergold- und gabenschwer,
Blitzend schreiten selige Träume
Aus den Tannenästen her. –

Weihnachtsduft nimmt dich gefangen,
Ferne Jugend kommt herbei,
Lieblich über welke Wangen
Kost ein toter Jugendmai.

Alfred Karl Röttger 1877 - 1942
Advent

Wieder sieht man in den frühen
Abenden die Lichter blühen
Straßenhin ... Und wieder funkeln
Bunte Wunder in das Dunkel.

Wieder träumt viel Kinderhoffen
Vor den Fenstern ... Leise Stimmen
Flüstern; in der Dämm’rung glimmen
Augen groß ... und sehn den Himmel offen.

Sel’gen Kinderglücks. Voll Warten sind die Tage
Und die Abende vorm Schlafengehn –
Wohl im Schlaf und Traum der Nächt sehn
Sie erfüllt schon ihres Sehnens Frage;

Schon erfüllt im Traum des Traums Verlangen,
Sehen: wie das Wunder schon geschah –
Christkind kommt weiß durch die Nacht gegangen
Und - ist da ...

*Quelle: www.weihnachtsgedichte.biz/adventsgedichte

Eva von Tiele Winckler 1866 - 1930
Advent

Es zieht ein süßer Tannenduft
durch die geschmückten Räume;
es weht die kalte Winterluft
um grüne Weihnachtsbäume.

Schon glänzt des Lichtleins heller Schein
auf dunklem Tannengrunde -
Advent! Die Weihnachtszeit zieht ein
in stiller Abendstunde.

O Erde, wie wird dir so wohl!
Denn bald wird Der erscheinen,
der dir ein König werden soll;
dann stillt Er all dein Weinen.

Einst kam Er in der heil´gen Nacht,
ein Kindlein, um zu sterben,
bald kommt Er in der Himmelspracht,
um Davids Reich zu erben.

Ihm zünden wir die Lichter an
auf grünen Tannenzweigen,
bis wir vor Seinem Zepter dann
anbetend froh uns neigen.

Albert Sergel 1876 - 1946
Vor Weihnachten

Heimliche Zeit,
wenn es draußen friert und schneit
und der Christ ist nicht mehr weit!

Wie’s tuschelt in den entferntesten Ecken,
kichert und lacht!
Überall Bepacktsein, Verstecken;
Hoffen und Wünschen webt feiernd durchs Zimmer:
ein Heinzelmannwirken im Lampenschimmer.

Mich deucht, ich sah einen güldenenen Schein:
Guckt da nicht Sankt Niklas zum Fenster herein?
Glocken erklingen in weiter Ferne.
Bratapfelduft aus dem Ofen quoll.

Am nachtklaren Himmel schimmern die Sterne verheißungsvoll.
Und schauen das Treiben und freuen sich mit
bei der eilenden Menschen frohklingendem Schritt.

Friedvolles Hasten weit und breit:
Weihnachten ist nahe! O heimlich Zeit!

Max  von Schenkendorf 1783 - 1817
Die Tage sind so dunkel

Die Tage sind so dunkel,
die Nächte lang und kalt.
Doch übet Sterngefunkel
noch über uns Gewalt.

Und sehen wir es scheinen
Aus weiter, weiter Fern',
So denken wir, die Seinen,
Der Zukunft unsres Herrn.

Er war einmal erschienen
In ferner sel'ger Zeit,
Da waren, ihm zu dienen,
Die Weisen gleich bereit.

Der Lenz ist fortgezogen,
Der Sommer ist entflohn:
Doch fließen warme Wogen,
Doch klingt ein Liebeston.

Es rinnt aus Jesu Herzen,
Es spricht aus Jesu Mund,
Ein Quell der Lust und Schmerzen,
Wie damals, noch zur Stund'.

Wir wollen nach Dir blicken,
Du Licht das ewig brennt.
Wir wollen uns beschicken,
zum seligen Advent.

Emil Peschkau 1856 - 1930
Christnacht

Die Nacht ist trüb und kein Sternlein blitzt.
Ein Bettelkind auf der Straße sitzt
Und faltet die mageren Hände:
"O komm du liebes Christkindelein,
Und sollt' es ein Stückchen Brotes nur sein —
Wie dankt' ich freudig die Spende!"
Kalt bläst ihm der Sturm den Schnee in's Gesicht
Das Christkind hört wohl, doch immer nicht.

Im Zimmer droben behaglich warm,
Da weilt ein fröhlicher Kinderschwarm
Und Eines faltet die Hände:
"O komm du liebes Christkindelein,
Und bring' uns Zucker und Spielwerk fein."
Und kaum noch ist es zu Ende,
Da zeigt sich der Christbaum in Schmuck und Licht
Das Christkind hört wohl, doch immer nicht.

Heinrich Seidel 1842 - 1906
Der kleine Nimmersatt

Ich wünsche mir ein Schaukelpferd,
’ne Festung und Soldaten
Und eine Rüstung und ein Schwert,
Wie sie die Ritter hatten.

Drei Märchenbücher wünsch’ ich mir
Und Farbe auch zum Malen
Und Bilderbogen und Papier
Und Gold- und Silberschalen.

Ein Domino, ein Lottospiel,
Ein Kasperletheater,
Auch einen neuen Pinselstiel
Vergiss nicht, lieber Vater!

Ein Zelt und sechs Kanonen dann
Und einen neuen Wagen
Und ein Geschirr mit Schellen dran,
Bei’m Pferdespiel zu tragen.

Ein Perspektiv, ein Zootrop,
’ne magische Laterne,
Ein Brennglas, ein Kaleidoskop
Dies Alles hätt’ ich gerne.

Mir fehlt - ihr wisst es sicherlich -
Gar sehr ein neuer Schlitten,
Und auch um Schlittschuh’ möchte ich
Noch ganz besonders bitten.

Um weisse Tiere auch von Holz
Und farbige von Pappe,
Um einen Helm mit Federn stolz
Und eine Flechtemappe.

Auch einen grossen Tannenbaum,
Dran hundert Lichter glänzen,
Mit Marzipan und Zuckerschaum
Und Schokoladenkränzen.

Doch dünkt dies Alles euch zu viel,
Und wollt ihr daraus wählen,
So könnte wohl der Pinselstiel
Und auch die Mappe fehlen.

Als Hänschen so gesprochen hat,
Sieht man die Eltern lachen:
"Was willst du, kleiner Nimmersatt,
Mit all den vielen Sachen?

"Wer soviel wünscht" - der Vater spricht’s -
"Bekommt auch nicht ein Achtel -
Der kriegt ein ganz klein wenig Nichts
In einer Dreierschachtel."

Joachim Ringelnatz 1883 - 1934
Vorfreude auf Weihnachten

Ein Kind -
von einem Schiefertafel-Schwämmchen umhüpft -
rennt froh durch mein Gemüt.
 
Bald ist es Weihnacht! -
Wenn der Christbaum blüht,
dann blüht er Flämmchen.
Und Flämmchen heizen.
Und die Wärme stimmt uns mild. -
Es werden Lieder, Düfte fächeln.-

Wer nicht mehr Flämmchen hat,
wem nur noch Fünckchen glimmt,
wird dann doch gütig lächeln.
Wenn wir im Traume eines ewigen Traumes
alle unfeindlich sind -
einmal im Jahr! -
uns alle Kinder fühlen eines Baumes.

Wie es sein soll,
wie's allen einmal war.

*Quelle: https://www.winter-wonderland.de/

Theobald Nöthig 1841 - 1925
Weihnachtslied

Wieder strahlt der Tannenbaum
Im Geleucht der hellsten Kerzen.
Komme, lichter Weihnachtstraum,
Huldreich auch in unsre Herzen.

Lasse hell ob dunkler Welt
Deinen Stern von neuem kreisen,
Der geleitet auf dem Feld
Einst die Hirten und die Weisen

Nur ein kindliches Gemüt,
Nur die Weisen und die Frommen
Solch ein Wundertraum durchglüht,
Ihnen kann der Gott nur kommen.

Jener Gott, der Mensch zugleich
Unser los vermag zu teilen,
Der an Trost und Liebe reich
Uns erlösen kann und heilen.

Friedensstern wirf deinen Schein
Rings auf alle Weihnachtskerzen,
Lass uns wieder Kinder sein,
schauen Gott im Menschenherzen.

*Quelle: https://gedichte.xbib.de/

Erich Mühsam 1878 - 1934
Weihnachten

Nun ist das Fest der Weihenacht
das Fest, das alle glücklich macht,
wo sich mit reichen Festgeschenken
Mann, Weib und Greis und Kind bedenken,
wo aller Hader wird vergessen
beim Christbaum und beim Karpfenessen; -

Und Groß und Klein und Arm und Reich,-
an diesem Tag ist alles gleich.
So steht′s in vielerlei Varianten
in deutschen Blättern. Alten Tanten
und Wickelkindern rollt die Zähre
ins Taschentuch ob dieser Märe.

Papa liest′s der Familie vor,
und alle lauschen und sind Ohr …
Ich sah, wie so ein Zeitungsblatt
ein armer Kerl gelesen hat.
Er hob es auf aus einer Pfütze,
dass es ihm hinterm Zaune nütze.

*Quelle: https://www.gedichte7.de/